Wie unruhig gehen wir in diese Ferienzeit

Endlich Sommer, endlich Ferien! Alle Jahre wieder hoffen wir auf  diese unbeschwerte Zeit. Wir wollen baden, träumen, die Seele baumeln lassen … und Kraft schöpfen für die zweite Jahreshälfte. Manch einer fängt nach den Ferien etwas Neues an, andere wollen einfach nochmal durchstarten, und alle hoffen auf ein bisschen Erholung.

Die vergangenen Wochen haben uns erschrocken und ratlos zurückgelassen. Jeden Tag diese Nachrichten von den Krisenherden der Welt, von Gewalttaten, die immer näher kommen und deren Hintergrund wir längst nicht einordnen können. Vielleicht hat nicht alles einen islamistisch-terroristischen Hintergrund, nur weil der sogenannte Islamische Staat sich dazu bekennt. Vielleicht ist nicht alles „nur“ ein Amoklauf, was von einem einsamen Wolf begangen wird, wenn es doch die Nachahmungstat eines anderen Amoklaufs oder gar einer rechtsterroristischen Überzeugungstat ist.

Alle Reflexe, die die Politik an diesen Tagen zu bieten hat, verbieten sich deshalb von selbst. Die bösen Computerspiele verbieten, die für die meisten nur Spiel und Entspannung sind? Das böse Internet durchleuchten, in dem man sich illegale Waffen besorgen kann? Das Waffenrecht verschärfen, das gegen den brutalen Gebrauch einer Axt oder eines Lastkraftwagens nicht hilft? Einsatz der Bundeswehr im Inneren als Reflex auf den Amoklauf eines Deutsch-Iraners, dessen Nationalität und Herkunft aber auch nullkommanull Rolle spielt für die Einordnung seiner abscheulichen Tat? Nein, das alles hilft nicht. Lob für die Polizei, ihren Einsatz und ihre Öffentlichkeitsarbeit in München, das hat einmal gut getan. Und der Hinweis, dass man beim Personal der Sicherheitsbehörden viel zu lange gespart hat. Bildet mehr Polizisten aus, sorgt für sie und ihre Familien, denn sie stehen für uns hin, wenn es darauf ankommt!

Das Wichtigste aber, das bleibt zum Schluss: Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen von dem irrsinnigen Lauf der Welt, denn dann haben sie gewonnen, die Terroristen und die Diktatoren, denen unsere Demokratie, unsere Freiheit und unsere Vielfalt nicht geheuer sind, denn das bedroht ihre Macht. Lassen Sie uns stattdessen mit aller Gelassenheit in diesen Sommer gehen, die Ferien genießen, wie sie kommen. Und gestärkt hervorgehen aus einer Sommerpause, die Terror und Gewalt nicht das Heft in die Hand gibt.

Dieser Text ist erstmals am 28.07.2016 in ähnlicher Fassung in der wöchentlichen PolitikerInnen-Kolumne der Südwestpresse | Neckar-Chronik Horb erschienen.

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