Wie Hilfsmittel Leben verändern

Bei einem Besuch im Sanitätshaus Wurster verschaffte sich die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken einen Eindruck davon, wie moderne Versorgung Lebensqualität schafft.

Freudenstadt. Seit Jahrzehnten ist er auf eine Beinprothese angewiesen, seit Jahrzehnten ist er Kunde bei Wurster in Freudenstadt. Was bedeutet für ihn technologische Entwicklung?

Im Gespräch der Abgeordneten Saskia Esken mit einem Kunden des Sanitätshauses Wurster wird deutlich: Technologische Innovation dient nie sich selbst. Sie dient den Menschen. Und im Fall von medizinischen Hilfsmitteln für Menschen mit einer Einschränkung kann Technologie das Leben erheblich verbessern – wenn Fachleute am Werk sind.

Wie technischer Fortschritt, handwerkliche Expertise und eine bedingungslose Orientierung am Kunden zusammenspielen, das konnte Esken bei Ihrem Besuch im Sanitätshaus Wurster in Begleitung von Sadik Varol vom SPD-Ortsverein Freudenstadt hautnah erleben, Im Mittelpunkt stehen bei Wurster die Lebensqualität, die Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen. Die Inhaberfamilie Wurster hatte Esken eingeladen, um das Unternehmen und die Arbeitsbedingungen der Branche kennenzulernen. Vom Branchenverbund rehaVital für medizinische Hilfsmittel war Patrick Grunau dabei.

„Viele Hilfsmittel werden bei uns auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden angepasst“ erläuterte Stefan Wurster, Orthopädiemeister und gemeinsam mit seiner Frau Geschäftsführer des Unternehmens. In der eigenen Werkstatt werde ein Rollstuhl „von der Stange“ beispielsweise mit speziellen Sitzhilfen erweitert, um den Menschen, der ihn braucht, optimal zu unterstützen. „Versorgung bedeutet Freiheit und Selbstständigkeit“, erklärte Wurster. „Nur wenn Hilfsmittel exakt passen, können die Menschen flexibel ihren Alltag gestalten.“ Gerade in der Werkstatt wurde spürbar, mit wie viel handwerklicher Expertise, aber auch mit welchem Engagement das gesamte Team für Menschen arbeitet, die Unterstützung benötigen.

Prothesen, Orthesen, Schuheinlagen und zahlreiche Sonderanfertigungen werden direkt vor Ort hergestellt. Viele Hilfsmittel sind Einzelanfertigungen, angepasst an unterschiedliche Krankheitsbilder. „Hier geht es nicht um Massenware, sondern um echte Maßarbeit für den Menschen“, betonte Esken anerkennend.

Doch wie viele andere in der Wirtschaft kämpft auch die Sanitätshausbranche mit strukturellen Herausforderungen. Das verdeutlichte das Ehepaar Wurster im Gespräch ebenso wie der Branchenvertreter Grunau von der rehaVital. Die Verbandsgruppe vertritt bundesweit Sanitätsfachgeschäfte, Gesundheitsbetriebe und Werkstätten, die jedes Jahr mehrere Millionen Patientinnen und Patienten versorgen.

„Was wir aktuell erleben, ist ein enormer administrativer Aufwand, der wertvolle Zeit und Personal bindet – Zeit, die eigentlich für die Versorgung gebraucht wird“ machte Grunau deutlich. So verursachen niedrige Genehmigungsfreigrenzen für verordnete Hilfsmittel einen immensen Aufwand, der durch eine deutliche Anhebung und Vereinheitlichung gemildert werden könnte. Was die Betriebe besonders belastet, das sind die unterschiedlichen Regelungen der Krankenkassen. Für jeden Standort seien eigene Zulassungen nötig, jede Krankenkasse arbeite mit eigenen Formularen, Verträgen und Genehmigungswegen.

Dazu kommt ein hohes Maß an Planungsunsicherheit, weil die Kassen auch im Nachhinein eine Zahlung verweigern können – ein Unding, findet Wurster. „Schon kleine Formfehler können dazu führen, dass Leistungen nachträglich nicht bezahlt werden. Diese sogenannte Retaxierung aus formalen Gründen kann bis zu zwei Jahre später erfolgen – das ist für Betriebe ein enormes finanzielles Risiko.“

Auch Grunau kann nicht nachvollziehen, warum diese Vorgehensweise noch hingenommen wird: „In fast allen anderen Bereichen des Gesundheitswesens wurde diese Praxis abgeschafft. Bei den Sanitätshäusern besteht sie weiter. Das ist weder zeitgemäß noch fair.“ Als Lösungsansatz sprachen sich Wurster und Grunau für einen Rahmenvertrag aus, der viele administrative und verwaltungstechnische Prozesse im Sanitätshaus standardisiert und vereinfachen würde.

„Entbürokratisierung und Digitalisierung sind der Schlüssel für die Zukunft der Versorgung, auch im Zusammenspiel von Kassen und Leistungserbringern“, so Grunau. „Dafür brauchen wir aber politische Unterstützung.“ Esken zeigte großes Verständnis für die geschilderten Probleme. In Berlin will sich die Abgeordnete dafür einzusetzen, dass die Situation der Sanitätshäuser verbessert werden kann.

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