Kolumne Neckar-Chronik: Wie die Wärmewende gelingt und niemanden überfordert

Damit unsere Kinder auf diesem Planeten eine Zukunft haben, müssen wir die Klimakrise abwenden – ich bin überzeugt, das ist in seiner Dringlichkeit bei den meisten Menschen angekommen. Und ja, die Aufgabe ist enorm. Nachdem wir 200 Jahre lang Kohle, Öl und Gas verbrannt haben, um unsere Häuser zu heizen und in der Industrie auf höchstem Niveau zu produzieren, soll uns jetzt in 20 Jahren der Ausstieg gelingen. Das ist ambitioniert, aber wenn wir zusammenhalten, dann schaffen wir das. Dass das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und damit der Umbau unserer privaten Heizungen dabei besonders viele Sorgen hervorruft, ist nur allzu verständlich.


Dabei kann ich nur versichern: Der Bundeskanzler ebenso wie die sozialdemokratischen Regierungsmitglieder und Abgeordneten haben die Lebensrealitäten der Menschen und sozialen Unterschiede immer im Blick, auch bei der Wärmewende. Wir wissen, dass Menschen sich sorgen, weil ihr Traum vom Eigenheim, der wegen höherer Baukosten ohnehin unter Druck geraten war, durch die neuen Auflagen vollends zerplatzen könnte. Andere haben sich ihr kleines Häuschen über viele Jahre vom Mund abgespart und fürchten die Kosten, wenn ihre Heizung kaputtgeht. Nicht zuletzt sind Mieterinnen und Mieter in Sorge, dass die Kosten einer Heizungssanierung voll auf ihre Miete durchschlagen. Wir wissen das, und deshalb werden wir für Mieterschutz sorgen, Übergangsfristen und Ausnahmen einräumen und die Förderung so ausgestalten, dass soziale Aspekte berücksichtigt sind. Denn eines ist klar: Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit müssen Hand in Hand gehen.


Für eine bezahlbare Wärmeversorgung spielt auch der Ausbau von Nah- und Fernwärmnetzen eine bedeutende Rolle. Es ist deshalb wichtig, das Heizungsgesetz mit unserem Vorhaben der kommunalen Wärmeplanung zu verzahnen. Bundesbauministerin Klara Geywitz konnte sich bei ihrem Besuch in unserem Wahlkreis in Altensteig davon überzeugen, dass eine Versorgung über ein kommunales Wärmenetz auch im ländlichen Raum gelingen kann, ebenso wie in Pfalzgrafenweiler, wo die Weiler Wärme als Genossenschaft viele von Öl und Gas unabhängig macht.


Klara Geywitz bereitet derzeit einen Gesetzentwurf vor, der in allen Kommunen die Grundlage für eine kommunale Wärmeversorgung legen soll. Auch dieses Vorhaben hat viel Unruhe ausgelöst. Dabei ist das für uns Baden-Württemberger kein Neuland. Schon seit 2015 sind unsere Kommunen dazu aufgerufen, kommunale Wärmepläne zu erstellen, in denen der Bestand der Wärmeversorgung in einer Kommune und die Potenziale zur Nutzung erneuerbarer Energien analysiert werden.


Der klimaneutrale Umbau dessen, wie wir wirtschaften und leben, ist ein Generationenprojekt. Gemeinsam stellen wir jetzt die Weichen, damit die Zukunft gelingt. Doch bei aller Dringlichkeit und Ambition handeln wir bei allem, was wir tun, mit Pragmatismus und Empathie für die unterschiedlichen Lebensrealitäten unserer Bürgerinnen und Bürger. Denn das ist unser Auftrag.

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