Glatten. Die ganze Sprachheilschule – von der ersten bis zur vierten Klasse und mit allen Lehrkräften – war in der Schulturnhalle zusammengekommen, um die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken mit einem stimmungsvollen Lied zu begrüßen. Nach einer kurzen Ansprache von Schulleiterin Stefanie Berkowitz führten die Kinder ein Theaterstück auf. Eindrucksvoll zeigten sie darin, welche Stärke aus der Gemeinschaft entsteht und welche bedeutende Rolle die Sprache in Wort und Schrift in unserem Zusammenleben spielt. Ein Löwe, der zwar gut brüllen, aber nicht lesen oder schreiben kann, möchte einen Liebesbrief verfassen … und stellt fest, dass das eine sehr individuelle Angelegenheit ist, die einem niemand abnehmen kann.
Die lebhaften Fragen der Kinder zeigten danach deutlich, dass sie in ihrer Schule zuhause sind: Warum gibt es keine Schulküche mehr? Warum können nicht mehr alle berechtigten Kinder mit dem Schultaxi zu Schule fahren? Wann können wir endlich den Schulhof neu gestalten? „Ihr wollt an Eurer Schule und in Eurem Leben mitbestimmen. Das finde ich toll!“ ermunterte Esken die Kinder, auch wenn sie in allen drei Fragen an die Kommunalpolitik verweisen musste. „Schreibt doch Briefe an den Bürgermeister und den Landrat. Vielleicht kommen die ja auch mal vorbei,“ empfahl sie den Kindern.
Bei „Warum gibt es keine Ferienjobs für 11-Jährige?“ musste die Politikerin dann doch ein bisschen ausholen und erklären, warum es ihr wichtig ist, dass Kinder geschützt aufwachsen. In vielen anderen Ländern sei Kinderarbeit an der Tagesordnung, nicht nur bei der Ernte, sondern auch unter schlimmsten Bedingungen unter Tage oder beim Knüpfen von Teppichen. „Wir wollen, dass Ihr Eure Energie darauf verwendet, zu spielen und zu lernen, dabei Spaß zu haben und nebenher groß zu werden,“ machte Esken deutlich. Und warum ist sie Politikerin geworden? ,,Ich wollte meine Kraft dafür einsetzen, dass alle Kinder die besten Chancen erhalten, sich zu entfalten.‘‘
Im Austausch mit Schulleitung und Lehrerschaft wurde deutlich, dass die Schule eine Sonderrolle einnimmt, die es nicht immer leicht macht, die notwendigen finanziellen Mittel aufzutreiben. Gleiches gilt für die Stunden, die die Lehrkräfte eines SBBZ an den Regelschulen eingesetzt werden, um dort die Inklusion, also das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung zu unterstützen. Mit den wenigen Stunden bleibt bei den Sonderlehrkräften das ungute Gefühl, den Kindern in dieser Konstellation nicht gerecht werden zu können. Bei all den Herausforderungen hat die Abgeordnete Esken die Brüder-Grimm-Schule an einem kurzweiligen Vormittag als einen Ort kennengelernt, an dem Kinder leben, lernen und lachen können – getragen von einem engagierten Team von Lehrkräften, die für „ihre“ Kinder durchs Feuer gehen.
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