Mietwohnungen sind Mangelware

Auf im ländlichen Raum fehlt Wohnraum - trotz Leerständen und Baulücken / SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken besucht den Mieterbund

FREUDENSTADT. Die Wohnungssituation ist auch auf dem Land dramatisch. „Es wird immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Viele Hausbesitzer sind ‚satt‘ und vermieten nicht mehr“, klagte Udo Casper, Landesgeschäftsführer des Deutschen Mieterbunds. Er hatte in Saskia Esken, Bundesvorsitzende der SPD, eine interessierte Zuhörerin. Esken, zugleich Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Calw/Freudenstadt, war in Begleitung des Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion, Gerhard Gaiser, während ihrer Sommertour zu einem Besuch beim Mieterbund nach Freudenstadt in die Reichsstraße gekommen. Dort waren die Sorgen groß.

Die Politik, so Casper weiter, lasse es an Worten nicht fehlen, wohl aber an Taten. Nach wie vor würden zu wenige Mietwohnungen gebaut. Außerdem gingen viele Städte und Gemeinden dazu über, ihre Baugrund-Flächen an Investoren zu verkaufen, die dort teure Projekte verwirklichen. Es gäbe für Gemeinden durchaus noch Instrumente, um aus Leerständen und Baulücken Mietwohnungen zu gewinnen. Doch auch Corona habe die Situation für viele Mieterinnen und Mieter erschwert. Einkommensverluste zwangen viele von ihnen, die Vermieter um eine Stundung der Miete zu bitten. Der Landesgeschäftsführer bedauerte, dass die zu Coronazeiten geschaffene Möglichkeit, Mietrückstände zu stunden, ohne eine Kündigung des Mietvertrags zu riskieren, nicht verlängert werde.

Sie wolle sich für eine Verlängerung stark machen, versprach Saskia Esken. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass auch durch akut verringerte Einkommen wie beispielsweise unter Kurzarbeit ein Recht entstehe, unterstützend Wohngeld zu erhalten. Gegenüber dem Mieterbund sprach sie den Wunsch aus, die Beantragung von Wohngeld grundsätzlich zum Beratungsthema zu machen. Einmütig bedauerten Esken und die Vertreter des Mieterbunds die teils erheblich unterschiedlichen Sätze der Kommunen  bei den Kosten der Unterkunft (KdU).

Im angeregten Gespräch mit Reinhard und Rita Schlüter, Büroleiterin Michaela Matt, Rosetta Venturino-Weschenmoser und Kai-Uwe Gräschus wurden aktuelle Sorgen der Mieter und Erfahrungen aus den Beratungsstunden des Mieterbundes in Horb und Freudenstadt erörtert. Dabei wurde deutlich,  dass bei der Mieterberatung die Nebenkosten und baulichen Mängel die weitaus meisten Probleme zwischen Mietern und Vermietern schaffen.

Der „Deutscher Mieterbund Landkreis Freudenstadt e.V.“, 1994 wieder gegründet, zählt konstant rund 1000 Mitglieder und hat ein Einzugsbereich über die Kreisgrenzen hinaus bis nach Offenburg und Rottenburg, berichtete eingangs die zweite Vorsitzende Heiderose Schaufler. Der Mieterbund hatte zum „gemütlichen Austausch“ (so Schaufler)  das Büro geschmackvoll dekoriert und schuf mit Kaffee, Säften, Obst und Snacks eine einladende Atmosphäre. „Ein gelungener Beginn eines interessanten Austauschs“, lächelte Esken.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 8 und 6.