Esken: „Schulen und Eltern müssen verlässlich planen können!“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete tauschte sich mit Schulleitungen aus den Kreisen Calw und Freudenstadt aus.

BERLIN/CALW/FREUDENSTADT. Um sich über die aktuelle Situation der Schulen zu erkundigen, lud die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken in den vergangenen Wochen die Schulleitungen der Grundschulen, weiterführenden Schulen und der Beruflichen Schulen aus den Kreisen Calw und Freudenstadt zu Telefonkonferenzen ein. Nachdem seit Mitte März der Schulbetrieb wegen der Corona-Pandemie nicht weitergeführt werden konnte, durchleben die Schüler*innen und ihre Eltern ebenso wie Schulleitungen und Lehrkräfte ein Wechselbad der Gefühle.

In den Gesprächen wurde deutlich: Jede Schule sucht eigene Wege, mit digitalem Fernunterricht, mit Notfallbetreuung und der schrittweisen Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts umzugehen. Das liegt an unterschiedlichen Schularten und Schulgrößen, aber auch Einzugsgebiete, verfügbare Räumlichkeiten und die Zusammensetzung des Kollegiums spielen eine Rolle. Im Gespräch wurden einige Herausforderungen deutlich. Dazu gehörte u.a. die unterschiedliche Betreuungssituation und die mancherorts fehlende Versorgung mit Endgeräten bei Schüler*innen, aber auch bei Lehrkräften, die lückenhafte Breitbandversorgung und fehlende Vorgaben zu datenschutzkonformen Unterrichtsplattformen. „Die guten Schülerinnen und Schüler werden besser, die Schlechten werden schlechter. Die Schere der Bildungsungerechtigkeit geht massiv auseinander!“ schilderte Klaus Ramsaier, Schulleiter der Friedrich-Boysen-Realschule Altensteig, die aktuelle Situation. „Einige Schülerinnen und Schüler wohnen in Dörfern, in denen das Internet so schlecht ist, dass wir mit ihnen gar keinen Unterricht über Videokonferenzen machen konnten. Die fehlende Infrastruktur ist eine Katastrophe“, so Stefanie Maier, Schulleiterin der Falkenrealschule Freudenstadt.

Immer wieder sprachen die Schulleitungen auch die kurzfristig wechselnden Vorgaben des Kultusministeriums Baden-Württemberg für die Wiederaufnahme des Schulunterrichts an. Iris Joos, Rektorin der Nachbarschaftsgrundschule Betzweiler-Wälde, schildert: „Wir haben während der Pfingstferien Pläne für den Präsenzunterricht nach rollierendem System ausgearbeitet und erfahren dann aus den Medien: Wir öffnen alles. Das heißt für uns: Wieder neue Pläne, wieder neue Kommunikation mit den Eltern.“ Dr. Reinhard Maier von der Rolf-Benz-Schule in Nagold betonte die wichtige Rolle von Lehrkräften in diesen hektischen Zeiten: „Den Kolleginnen und Kollegen gebührt größter Respekt. Besonders bei der Umsetzung der Digitalisierung haben sie tolle Arbeit geleistet. Nach nur drei Wochen stand bei uns die Cloudlösung“, so Maier.

Etliche Fragen gab es auch zur Vergabe der Mittel aus dem Digitalpakt. Dazu erläuterte Saskia Esken: „Der Digitalpakt ist aufgestockt worden für jetzt notwendige Anschaffungen wie Endgeräte für Schülerinnen und Schülern. Zudem beteiligt sich der Bund jetzt an den Kosten für Administratoren. Da müssen Profis ran, wenn alle Schüler und alle Lehrer in einem Schulnetz arbeiten. Bisher leisten das Lehrkräfte, die dafür 2 Entlastungsstunden erhalten – das geht so nicht. Im Unternehmen oder im Rathaus macht das auch nicht irgendjemand nebenbei.“

Nach Abschluss der sechs Telefonkonferenzen schildert Saskia Esken ihre Eindrücke: „Ich ziehe meinen Hut vor dem außerordentlichen Engagement der Lehrerinnen und Lehrer, die die Weiterführung des Schulunterrichts auch während dieser Pandemie gewährleisten. Aus meiner Sicht müssten die Kommunikationskanäle zwischen Kultusministerium und den Schulen dringend verbessert werden. Schulen und Eltern brauchen dringend mehr Planungssicherheit. Erfreulich ist dagegen, dass diese Ausnahmesituation auch als Turbo für den Einsatz digitaler Medien im Schulunterricht wirken kann. Viele Lehrerinnen und Lehrer zeigten große Bereitschaft, sich auf diese neue Situation einzustellen. Diesen Riesenschritt nach vorne für die digitale Bildung müssen wir weiter nutzen“, so die SPD-Parteivorsitzende.

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