Nagold. Für die Mitarbeitenden des Hospizes St. Michael geht es jeden Tag darum, unheilbar schwerstkranken Menschen ein würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Was dafür notwendig ist und wo die Hospizarbeit an Grenzen stößt, darüber sprach die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken mit Einrichtungsleiterin Jutta Benz, Pflegedienstleiterin Monika Schneider und der psychosozialen Fachkraft Marlene Friedrich bei ihrem Besuch in Nagold.
Die Einrichtung begleitet Menschen mit fortgeschrittenen onkologischen, neurologischen oder kardiologischen Erkrankungen, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich ist. Das Hospiz steht Menschen aller Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen offen.
„Es berührt mich, mit welchem Engagement und mit welcher Professionalität Sie hier daran arbeiten, Würde und Lebensqualität zu erhalten, auch wenn ihr Leben zu Ende geht. Das ist alles andere als selbstverständlich und ich will Danke dafür sagen. Ich bin sehr froh, dass es einem rührigen Verein gelungen ist, dieses stationäre Hospiz in Nagold einzurichten“, betonte Esken.
Voraussetzung für die Aufnahme im Hospiz und die Finanzierung durch die Krankenkassen ist eine ärztliche Verordnung. Doch in der Praxis läuft die Finanzierung nicht immer reibungslos. Auch an den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens knirscht es immer wieder. Esken findet den Ärger über diese Missstände mehr als verständlich: „Wenn schwerstkranke Menschen und ihre Familien Unterstützung benötigen, wenn engagierte Menschen sie dabei unterstützen wollen, dann dürfen sie nicht durch langwierige Verwaltungsverfahren daran gehindert werden“.
Wer Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleitet, braucht neben fachlichem Wissen auch ein hohes Maß an Empathie, Erfahrung und Belastbarkeit. Entsprechend wichtig sind eine gute Ausbildung und regelmäßige Fortbildungen für die Beschäftigten. Während das Hospiz bei der Ausbildung von Pflegefachkräften positive Erfahrungen macht, sehen die Verantwortlichen bei der Refinanzierung von Weiterbildungsangeboten Nachbesserungsbedarf.
„Gerade in der Hospizarbeit sind regelmäßige Fortbildungen unverzichtbar“, erklärte Einrichtungsleiterin Jutta Benz. „Die Anforderungen an die Mitarbeitenden sind hoch. Gleichzeitig werden Weiterbildungen bislang nicht ausreichend refinanziert, obwohl sie für die Qualität der Versorgung entscheidend sind.“
Angesichts einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft werden Pflegekräfte immer bedeutender, die eine weitere Sprache sprechen, weil schwerkranke Menschen sich besonders verstanden und sicher fühlen, wenn sie in ihrer Muttersprache kommunizieren könnten. „Gerade am Lebensende sind Vertrauen, Nähe und Verständigung von unschätzbarem Wert“, erläuterte Esken. „Weil immer mehr Menschen mit Zuwanderungsgeschichte pflegebedürftig werden, sind Pflegekräfte, die die Sprache und Kultur der Herkunft ihrer Familie kennen und beherrschen, von unschätzbarem Wert.“
Neben der pflegerischen Versorgung spielt im Hospiz auch die psychosoziale Begleitung eine wichtige Rolle. Marlene Friedrich begleitet Betroffene und Angehörige in einer der schwierigsten Phasen ihres Lebens. Aus ihrer Sicht sollte Unterstützung deutlich früher ansetzen.
„Mit der Diagnose beginnt für viele Menschen bereits ein Trauerprozess“, erklärte Friedrich. „Deshalb wäre es wichtig, dass Trauerbegleitung bereits ab diesem Zeitpunkt ermöglicht und finanziert wird – nicht erst nach dem Tod eines Angehörigen.“
Das Hospiz bietet bereits heute Trauergruppen und Beratungsangebote für Hinterbliebene an. Die Aufenthaltsdauer der Gäste reicht von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten, in Einzelfällen sogar bis zu drei Viertel eines Jahres. Viele Angehörige erleben diese Zeit als wertvolle Möglichkeit, sich bewusst voneinander zu verabschieden.
Am Ende eines beeindruckenden Besuchs ist deutlich geworden: Hospizarbeit lebt von Zeit, Verlässlichkeit und guten Rahmenbedingungen. Und dafür braucht es gemeinsame Verantwortung.
„Als Gesellschaft tun wir uns schwer mit den Themen Sterben, Tod und Trauer“, sagt die Abgeordnete Esken. „Dabei gehören sie zum Leben dazu. Einrichtungen wie das Hospiz St. Michael schaffen Räume, in denen Menschen in Würde Abschied nehmen können und Angehörige nicht allein gelassen werden.“
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