Calw – Bei einem Besuch des Tafelladens und im Gespräch mit den Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen erhielt die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken vor Ort einen Einblick in die Arbeit der Tafel und die tägliche Versorgung sozial benachteiligter Menschen aus der Region mit Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs. Mit dabei waren die in diesem Feld bei der Caritas Schwarzwald Gäu verantwortlichen, Michael Vogelmann, Sabrina Knufinke und Sieglinde Falk.
Im Tafelladen der Caritas herrscht schon am frühen Morgen reges Treiben. Ehrenamtliche sortieren die in Kisten angelieferten Lebensmittel, prüfen Obst und Gemüse und bereiten die Ausgabe für die kommenden Stunden vor. Was für viele selbstverständlich erscheint, ist für zahlreiche Menschen mit kleinem Geldbeutel eine tägliche Herausforderung. Der Tafelladen ist für sie eine wichtige Unterstützung im Alltag.
Möglich wird die Arbeit vor allem durch ehrenamtliches Engagement.
Die Helferinnen und Helfer investieren ihre Freizeit und viel Herzblut. Sie holen die Spenden ab und sorgen dafür, dass die Ausgabe reibungslos funktioniert. Gleichzeitig gelten strenge Vorgaben bei Haltbarkeit und Qualität der Lebensmittel, die beachtet werden müssen. Unterstützt wird der Tafelladen von lokalen Supermärkten, Bäckereien und Privatpersonen, die regelmäßig Lebensmittel oder Geld spenden.
Die Caritas beschäftigt in der Tafel im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten, vom Jobcenter vermittelte Langzeitarbeitslose, Geflüchtete engagieren sich im Rahmen des Projekts „Integrationstafel“, während der vielen Wartezeiten im Asylverfahren, da sie der Gesellschaft etwas zurückgeben möchten. Rückgrat der Tafel sind jedoch die Ehrenamtlichen.
„Ohne die hoch identifizierten und engagierten Ehrenamtlichen wäre diese Arbeit nicht möglich“, betont Knufinke im Gespräch mit der Abgeordneten. Die Caritas übernimmt zwar sämtliche Unkosten, welche in Zusammenhang mit dem Engagement entstehen, wie bspw.- anfallende Fahrtkosten oder Parkgebühren. Maßgeblich ist aber die Zeit, welche die ehrenamtliche Woche für Woche in den Laden investieren und das, obwohl diese häufig an vielen anderen Stellen auch mit ihrem Engagement gefragt sind. Manche sind noch berufstätig und kommen nach ihrer Schicht noch in den Laden, andere sind intensiv in die Kinderbetreuung der Enkel, die Pflege von Angehörigen und bei Vereinen involviert. Diese vielfältigen Anforderungen zwischen all dem Engagement für die Zivilgesellschaft wird manchmal auch zur Zerreißprobe für die Engagierten, erzählt Vogelmann der Abgeordneten.
Der Tafelladen ist mit seiner Obst- und Gemüsetheke, Backtheke und Kühlwarenabteilung aufgebaut wie ein winziger Tante-Emma-Laden. Ein möglichst „normales“ Einkaufserlebnis ist uns wichtig, erzählt Falk. Wegen dem hohen Andrang arbeitet das Tafelteam aber inzwischen mit einem geregelten Einlass-System. Da lässt sich eine Warteschlange leider nicht vermeiden. Während der Öffnungszeit werden die Regale kontinuierlich mit dem nachgefüllt, was im Lauf des Tages angeliefert wird.
Menschen aus dem ganzen Landkreis nehmen teils lange Anfahrtswege von bis zu zwei Stunden in Kauf, um das Angebot der Tafel nutzen zu können. Besonders auffällig, so die Mitarbeiter der Caritas, sei der steigende Anteil älterer Menschen. Gerade Menschen mit geringen Einkommen litten massiv unter den Preissteigerungen. Viele hätten Sorge, dass ihre finanzielle Situation im Rentenalter noch schwieriger werde.
„Das führt mir noch einmal sehr deutlich vor Augen, unter welchem Druck viele Menschen inzwischen stehen“, resümierte Esken bei ihrem Besuch. „Das Engagement der Ehrenamtlichen ist beeindruckend. Die Tafelläden sind eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass niedrige Einkommen und soziale Leistungen viel zu oft nicht bis zum Monatsende reichen. Als Politik haben wir die Aufgabe, mit einem auskömmlichen Mindestlohn und guten Tariflöhnen, mit durchgehenden Erwerbsbiografien für Frauen und Männer und mit einem starken, solidarischen Sozialstaat dafür zu sorgen, dass Menschen in Würde leben können.“
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