Althengstett. Was sind die aktuellen Herausforderungen, die sich für Handwerksbetriebe im Energiesektor aus der Energie- und Wirtschaftspolitik ergeben? Um das zu erfahren, waren die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken und die Landtagskandidatin Daniela Steinrode in Begleitung des SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Yüksel Erdogan der Einladung von Black Forest Solar und Zogaj Haustechnik gefolgt. An einem sprichwörtlich runden Tisch berichteten Lukas Fisel und Simon Läpple von Black Forest Solar, Sandra Prpic Caro und Ekrem Zogaj von Zogaj Haustechnik sowie einige Mitarbeitende, was sie bei der Umsetzung der Energiewende in der Praxis ausbremst.
Verunsicherung bremst Investitionen
Für die Unternehmen steht derzeit vor allem ein Problem im Raum: die wachsende Verunsicherung der Kundschaft. Läpple, Geschäftsführer von Black Forest Solar, sprach von spürbarer Kaufzurückhaltung: „Wir tun uns schwer, einen finanziellen Vorteil zu kommunizieren, weil keiner weiß, was kommen wird.“ Diskussionen um das sogenannte Heizungsgesetz, das eigentlich Gebäudeenergiegesetz (GEG) heißt, um die Ausgestaltung des EEG und die Einspeisevergütung sorgten für Unsicherheit. „Wir und unsere Kundschaft brauchen klare Konzepte und einen Fahrplan, wo es hingehen soll“, so Läpple. Die Branche wünsche sich Verlässlichkeit, um als „Sprachrohr in die Bevölkerung“ auftreten zu können.
Auch Zogaj, Geschäftsführer von Zogaj Haustechnik, schilderte ein Beispiel aus der Praxis: Eine Kundin mit einer in die Jahre gekommenen Ölheizung habe sich trotz berechneter Einsparungen gegen eine Wärmepumpe entschieden – aus Sorge vor öffentlicher Kritik und widersprüchlichen politischen Signalen. „Die Stimmung im Land ist vielerorts geprägt vom Abwarten – beim Heizen, beim Autokauf, generell bei Investitionen“, so Zogaj.
Esken machte deutlich, wie wichtig es sei, auch im Gebäudebereich klimaneutral zu werden. „Wir wollen und wir müssen unseren Kindern und Enkeln ein Klima und eine Umwelt hinterlassen, in der sie gut leben können“. Der grundsätzliche Fahrplan hin zur Klimaneutralität sei ja im Klimaschutzgesetz festgeschrieben. Bedauerlicherweise seien Teilen der Politik Mut und Klarheit in der Klimapolitik abhandengekommen. Das „Heizungsgesetz“ abzuschaffen, sei eine populistische Forderung, die gleichzeitig große Nachteile für die Bevölkerung mit sich bringen würde.
„Ich weiß nicht, was daran populär sein soll, wenn man den Leuten die Förderung für eine Modernisierung ihrer kaputten Heizung wegnimmt, die sie sich ohne Förderung doch gar nicht leisten können“ wunderte sich die Abgeordnete. Nicht zuletzt mit der Förderung rechne sich der Umstieg von fossilen auf strombasierte Heizsysteme für die Kunden, weil der dafür notwendige Strom mit zunehmendem Anteil aus erneuerbaren Energiequellen günstiger werde. Es sei deshalb wichtig, dass das Gesetz so reformiert werde, dass ambitionierte Ziele ebenso erhalten bleiben wie die umfangreiche Förderung für Privatkunden.
Bürokratie und Förderpraxis als Hemmnis
Beide Unternehmen kritisierten obendrein die Förderbürokratie. Zahlungen verzögerten sich häufig, was zu Liquiditätsengpässen führen könne. „Die Bezahlung durch Kundinnen und Kunden dauert zu lange, auch wegen der Förderverfahren“, berichtete Prpic Caro, Geschäftsführerin von Zogaj Haustechnik. Auch das Thema EEG-Förderung und die Umsetzbarkeit gesetzlicher Vorgaben im Altbau wurden angesprochen. Gerade im Bestand seien Lösungen oft komplex und individuell. Hinzu komme ein hoher bürokratischer Aufwand.
Steinrode betonte, wie wichtig Investitionen in Infrastruktur und Wirtschaft seien. Planungsverfahren müssten beschleunigt und Planungssicherheit geschaffen werden. „Unsere Betriebe stehen massiv unter Druck. Wir brauchen klare Rahmenbedingungen, damit wieder investiert wird“, bestätigte die Landtagskandidatin.
Fachkräfte fehlen überall
Ein zentraler Punkt war der Fachkräftemangel im Handwerk – ein Problem mit klaren strukturellen Ursachen. „Früher sind uns die Leute alle in die Industrie abgewandert. Die Bezahlung im Handwerk ist zwar besser geworden. Trotzdem finden wir kaum noch Fachkräfte“, berichtete Zogaj.
Esken und Steinrode waren sich einig, dass man sich angesichts des demografischen Wandels keine ungenutzten Potenziale leisten könne. „Dass in Baden-Württemberg 60.000 Kinder ohne Kita-Platz sind, ist für die Entwicklung der Kinder ebenso von Nachteil wie für die Berufstätigkeit ihrer Mütter“ machte Steinrode deutlich. Gleichzeitig hielten hohe Betreuungsgebühren junge Mütter vielfach von der Arbeit ab. Ähnliches gelte für die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger.
„Als Land, dessen einzige „Ressource“ in den Köpfen seiner Menschen liegt, können wir es uns auch nicht erlauben, dass ein Viertel der Kinder am Ende der Grundschule nicht genügend gut lesen, schreiben und rechnen kann“ mahnte Esken und unterstrich die Bedeutung des milliardenschweren Startchancenprogramms, mit dem der Bund seit 2025 gegensteure. „Wir haben die Verpflichtung, dass unser Bildungssystem jedem Kind ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Da dürfen wir nicht lockerlassen!“ unterstrich die Abgeordnete.
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