Think global, act local!

Meine Sommertour: Woche 3

It's summertime! Drei Wochen im Wahlkreis und mehr als 40 Termine mit Bürgermeistern, jungen Klima-Aktivisten, Besuche in Kitas und bei Unternehmen und mehr als zehn "Zukunftsdebatten" mit meinen Ortsvereinen – ein strammes Programm, das mir wieder mal vor Augen geführt hat, wie vielfältig, wie engagiert und auch wie lebenswert mein Wahlkreis ist! Nur in der parlamentarischen Sommerpause haben wir Abgeordnete Gelegenheit für eine so ausgedehnte Reise durch den Wahlkreis.

Falls Ihr die Geschichten aus den beiden Wochen davor noch nicht gelesen habt, die findet Ihr hier:

Woche 1, Woche 2

In den kommenden Tagen werde ich mir Zeit nehmen, die vielen Eindrücke, Hinweise und das Feedback, das ich erhalten habe, zu verarbeiten. An dieser Stelle will ich einmal Danke sagen für die vielen lebendigen Gespräche und auch für das großartige Engagement so vieler Menschen, die sich einbringen, um unsere Region gemeinsam als lebenswerte und als solidarische Heimat gestalten.

Die letzte Woche unserer Tour ging am Naturfreundehaus Urnagold los, wo der Landkreis Freudenstadt den Startschuss für die Erstellung eines Backbone-Netzes (Link zum Artikel des Schwarzwälder Boten vom 23. Juli) für schnelles Internet gegeben hat. Das Layjet-Verfahren, das in einem Arbeitsgang den Graben im Straßenbankett fräst, Kabel verlegt, den Graben schließt und das Bankett wieder verdichtet, können pro Tag 3 km Breitbandkabel verlegt werden.

In Ebhausen erkundigte ich mich bei Bürgermeister Volker Schuler, wie es die kleine Gemeinde schafft beim Thema Klimaschutz so weit voraus zu sein. Schuler hat dafür eine recht einfache Begründung: Seit 2010 macht Ebhausen beim sogenannten "European Energy Award" mit. "Das hilft uns sehr, das Thema strukturiert anzugehen", erklärte er mir im Gespräch. So hat es Ebhausen geschafft, ein eCar-Sharing-Angbot einzurichten, das mittlerweile auch für ein Bürgerauto-Angebot genutzt wird, und Stromtankstellen zu installieren, die mit selbst erzeugtem, ggf. in einer großen Batterie im Keller des Rathauses gepuffertem Solarstrom aus einer 400 Kilowatt Peak leistenden Solaranlage gespeist werden. Schon in 2009/10 wurden zahlreiche kommunale Gebäude energetisch saniert. Mit einer philippinischen Kommune unterhält Ebhausen eine Klimapartnerschaft. So viel Engagement geht natürlich nicht ohne "einen Gemeinderat, der mitmacht", hat Schuler erklärt. Ähnlich wie Altensteig geht Ebhausen damit wirklich mit sehr gutem Beispiel voran, der Landkreis will beim European Energy Award jetzt nachziehen.

Der nächste Tag war für Althengstett reserviert. In Begleitung von Richard Dipper, langjähriger SPD-Gemeinderat und engagierter Ortsvorsteher von Ottenbronn, war ich zu Besuch im Familienzentrum. Das FZ ist eine Einrichtung, die frühkindliche Bildung und Betreuung ganzheitlich denkt: Hier werden Kurse für Eltern angeboten, werden Begegnungsorte geschaffen und Familien zuhause besucht, um ihnen in der anstrengenden Phase nach der Geburt des Kindes unter die Arme zu greifen. Empfangen wurden wir von Leiterin Charlotte Weik und Franziska Binczik. Besonders gefällt mir, dass das Familienzentrum vor sieben Jahren aus einem Bürgerbeteiligungsprozess heraus entstanden ist, wie er im Landkreis auch in vielen anderen Kommunen stattfand. Am Nachmittag war ich dann zu Besuch beim Althengstetter Bürgermeister Clemens Götz, und wir konnten nahtlos anknüpfen: Moderne Daseinsvorsorge im ländlichen Raum, Wohnraumversorgung, Wohnen im Alter, moderne Mobilität - das sind Themen, die mit Beteiligung angegangen werden müssen, denn die Konzepte müssen zu den unterschiedlichen Bedürfnissen passen und zur gesellschaftlichen Entwicklung!

 

Ich fand den Auftritt der Vertreter von "Fridays for Future" (siehe Bild oben) im "alten" Kreistag Calw sehr beeindruckend. Zum einen haben sie einen breiten klimapolitischen Ansatz vorgetragen, der weit mehr als die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle oder Benzin betraf. Zum anderen hatten sie sich im Sinne von "Think global, act local" erst gar nicht mit Appellen an die Bundespolitik aufgehalten, sondern sich in Vortrag und Forderungskatalog direkt an die Kreisebene gewandt. Weil der Austausch im Kreistag zu kurz gekommen war, habe ich mich dann nochmal mit den Vertretern getroffen. Hier wurden weitere Ideen entwickelt, wie man gezielt vor Ort aktiv werden könnte, wie zB. eine Info-Plattform, wo sich Verbraucher über die Klimaschutzbestrebungen der Unternehmen vor Ort informieren können. Begleitet hat uns mein Genosse Ulrich Hartmann und seine Frau, die am globalen Aktionstag der FFF am 20. September gemeinsam mit den jungen Leuten auch in Nagold eine größere Aktion planen. Dass die FFF-Aktivisten zum einen Drohanrufe und Hassmails von rechts erhalten, schockiert mich ernsthaft und beunruhigt nicht nur die Eltern. In dem Fall sollten sofort die Behörden eingeschaltet werden. Meine Meinung: Den Rechten darf man absolut nichts durchgehen lassen, was strafrechtlich relevant ist!Auf der anderen Seite gibt es auch Versuche, die Bewegung von rechts zu unterwandern, so dass man mit der Öffnung von whatsapp-Gruppen mittlerweile etwas vorsichtiger umgeht.

An meinem letzten Tourtag ging es einmal quer durch den gesamten Wahlkreis nach Bad Rippoldsau-Schapbach, wo wir von Bürgermeister Bernhard Waidele empfangen wurden. „Wir kommen ans Ziel“, freute sich der Bürgermeister und meint einen seit langen Jahren verfolgten Wunsch der Gemeinde, die Sanierung des Freibad. Mit den Zuschüssen, die nun genehmigt wurde, muss die Gemeinde bei einem Kostenaufwand von 2,24 Millionen Euro nur noch einen Anteil von 450 000 Euro selbst schultern, Waidele informierte uns über die Sorgen einer strukturschwachen Gemeinde und setzte seine Hoffnung auf staatliche Hilfen bei der Ausweisung von Sanierungsgebieten für das Areal der ehemaligen Klinik. „Nicht nur wirtschaftlich, auch mental leidet Bad Rippoldsau nach 150 Jahren erfolgreichen Kurwesens unter dem Aus für die Klinik. Trotzdem müssen wir jetzt anpacken und das Beste aus unserer Situation machen“, so Waidele.

In Baiersbronn empfingen uns der frisch wiedergewählte Bürgermeister Michael Ruf und sein Touristik-Direktor Patrick Schreib. In der größten Flächengemeinde Baden-Württembergs, die zudem eine erstaunliche Sternendichte in Hotellerie und Gastronomie aufweist, werden Daseinsvorsorge, kommunale Entwicklung und Tourismus zusammen gedacht. Das zeigt sich zB. an einem Bus, der an drei Tagen in der Woche die Ortsteile mit dem Zentrum verbindet, voll elektrisch fährt und nicht nur klassische Haltestelle, sondern auch Einkaufszentren und im Sommer einige Wanderhütten anfährt. Der thematische Streifzug unseres Gesprächs führte von der Kindergarten-Sanierung über den Breitbandausbau bis zum Bau von Seniorenwohnungen. Bei der Ausrichtung der Gartenschau im Jahr 2025 erhofft sich die Gemeinde auch Fördermittel vom Bund. Mit dabei waren der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Marius Thoy und der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Gerhard Gaiser.

 

Am Abend schauten wir dann noch auf der langen Einkaufsnacht in Freudenstadt vorbei, wo neben vielen anderen auch die Erlacher Höhe einen Stand hatte. Etwas länger habe ich mich mit zwei Klienten unterhalten, die in einer schwierigen, instabilen Lebenslage bei der Erlacher Höhe nicht nur Wohnung, Beschäftigung, Halt und Perspektive gefunden haben, sondern auch die Liebe zueinander <3. Am Sonntag ging es dann nach Berlin, wo ich eine BPA-Reisegruppe mit Vertretern der Musik- und Kunstschulen aus den Kreisen Calw, Freudenstadt und Böblingen begrüßen durfte.

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