Saskia Esken in virtuellem Austausch mit Schüler*innen aus Wildberg

Calw/Wildberg. Auf den Tag genau ein Jahr ein Auf und Ab der Schulschließungen in Deutschland. Wie erging es den Schüler*innen in dieser Zeit? Wie läuft das Homeschooling und was machen die Prüfungen? Um diese offenen Fragen zu klären und Lehrkräften und Schüler*innen die Möglichkeit zu geben, Fragen und Wünsche an die Politik zu äußern, war Saskia Esken digital zu Gast beim Bildungszentrum in Wildberg. Bürgermeister Ulrich Bünger ließ es sich nicht nehmen, die Abgeordnete für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt und amtierende Parteivorsitzende der SPD persönlich über den Stand der Digitalisierungsmaßnahmen im Wildberger Stadtgebiet zu informieren. Für das Schulpersonal waren der Schulleiter Eugen Blumenstock, sein Stellvertreter Jochen Fouquet und der IT-Verantwortliche Stefan Sickinger in der Videokonferenz dabei. Die Schülerschaft wurde vertreten durch Malin Schütz, Tim Stadel, Marvin Rupps und Joel Kleinknecht, allesamt Schüler*innen der diesjährigen Abschlussklasse 10.

„Bereits im Jahr 2018 hat die Stadt Wildberg mit der Neuschaffung eines eigenen IT-Ressorts begonnen, um das Bildungszentrum und die Schulen der Teilorte auf die digitale Zeit vorzubereiten“, so Bünger. „Deshalb war auch der Corona Lockdown für die Schulen in Wildberg nicht ein Start bei null, sondern vielmehr ein Aufbauen auf bereits vorhandenen Strukturen.“

Esken zeigte sich beeindruckt, wie Stadtverwaltung und Gemeinderat in Wildberg die aktuellen Herausforderungen aufgegriffen haben: „Durch Kontaktbeschränkungen und Schließungen wegen Corona musste ja ganz vieles ins Netz verlagert werden, nicht nur in den Schulen. Das hat der Digitalisierung einen gehörigen Schub verschafft. Es freut mich sehr, dass man in Wildberg gut aufgestellt war.“ Über die Ausstattung des Bildungszentrums und seiner Lehrkräfte konnte Schulleiter Blumenstock viel Positives berichten: „Der Schulträger hatte das Thema  schon vor den Schulschließungen aufgegriffen. Wir waren schon sehr gut unterwegs. Das jüngste Projekt sind jetzt die verschiedenen W-Lan Netze im und um das Schulzentrum. Aus dem Sofortausstattungsprogramm der Bundesregierung konnten außerdem Schüler*innen direkt mit Endgeräten ausgestattet werden.“, so Blumenstock.

Allerdings liegt beim Homeschooling nicht nur bei der Ausstattung der Schulen der Hase im Pfeffer, so Bünger: „Ein großes Thema ist die Bandbreite zuhause. Oftmals haben wir ein Flickenteppich an verschiedenen Bandbreiten, wir benötigen hier ein einheitliches Niveau. Wenn zwei Vollzeit arbeitende Eltern im Homeoffice sind und ein schulpflichtiges Kind im Homeschooling, wird es mit der Versorgung in vielen Haushalten knapp.“ Esken pflichtete dem Stadtoberhaupt bei: „Ein schneller und sicherer Zugang zum Internet gehört heute zur Daseinsvorsorge. Der Markt interessierte sich nicht für den ländlichen Raum, hier muss der Staat Verantwortung für gleichwertige Lebensverhältnisse übernehmen.“.

Die Schüler*innen berichteten von den praktischen Erfahrungen der Schüler*innen mit dem Distanzlernen von zuhause aus: Malin Schütz dazu: „Die Situation wird seit einem Jahr sehr unterschiedlich wahrgenommen. Ich selbst kam sehr gut zurecht, andere hatten größere Probleme, zuhause eine gute und ruhige Lernatmosphäre zu finden.“

Esken bestätigte, dass das Homeschooling soziale Unterschiede im Bildungserfolg verstärke, das sei eine große Sorge der Bildungspolitik: „Ein ruhiger Platz zum Lernen, im Idealfall ein eigenes Zimmer – das ist keine Selbstverständlichkeit. Ebenso wenig können alle Eltern gleichermaßen Hilfe leisten, schon gar nicht über Monate. Das Lernen auf Distanz kann nur eine Notlösung sein.“

 

Marvin Rupps wiederum sieht in der Entwicklung der vergangenen Monate auch eine Chance: „Ich fand es toll, wie Schüler*innen und Lehrkräfte gemeinsam Lösungen gesucht und neue Ideen entwickelt haben. Das können wir gerne in die Zukunft mitnehmen.“  Auch Joel Kleinknecht machte deutlich, dass vieles in der digitalen Unterrichtswelt von den Kompetenzen der handelnden Personen abhänge. Esken bestätigte, dass Schulentwicklung eine Aufgabe für die ganze Schulgemeinschaft sei und gegenseitige, schulinterne Fortbildung sich als sehr praxiswirksam erwiesen habe. „Insgesamt wird sich unsere Idee von Lehren und Lernen durch die Digitalisierung stark verändern. Die wichtigste Kompetenz für eine gute Zukunft ist es, dass Schüler*innen lernen, Informationsquellen kritisch zu beurteilen, klug zu nutzen und sich so selbst weiterzubilden.“

Tim Stadel ging nochmal auf die Situation der Familien im Homeschooling ein: „Was würden Sie Eltern raten, wie sie ihre Kinder besser beim Lernen von Zuhause aus motivieren können?“ Für Esken stellt diese Aufgabe eine Überforderung der Eltern dar. „Der Familienfrieden ist in normalen Zeiten schon bei den Hausaufgaben in Gefahr. Ich fände es toll, wenn die Schüler*innen sich gegenseitig ein bisschen unterstützen, wenn mal jemand die Motivation ausgeht.“

Insgesamt hat die Konferenz bei allen Beteiligten den Wunsch hinterlassen, die Gespräche bei einem Treffen vor Ort fortzuführen. Die Abgeordnete sagte zu, dies möglich zu machen, sobald die Infektionszahlen dies zulassen.

 

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