Mehr als 200 Jahre in der SPD

Bei einer Jubiläumsveranstaltung wurden im Zavelsteiner Wanderheim verdiente Genossen geehrt.

Insgesamt blieben sie mehr als 200 Jahre der Sozialdemokratie treu (von links): Kurt Heselschwerdt (60 Jahre), Karlheinz Dingler (50 Jahre), Saskia Esken, Helmut Seifried (50 Jahre) und Roland Helber (50 Jahre). Foto: SPD Kreis Calw

Zavelstein. Dreimal 50 Jahre und einmal sogar 60 Jahre sind sie der SPD treu: Das Adventsessen der Sozialdemokraten im Kreisverband im Wanderheim in Zavelstein war geprägt von hochkarätigen Ehrungen.

Es war das Jahr 1958, als Kurt Heselschwerdt sein Parteibuch der Sozialdemokraten erhielt. Adenauer war Kanzler und Ollenhauer SPD-Vorsitzender, und es sollte noch lange dauern, bis die SPD sich an einer Regierung beteiligen würde. Heselschwerdts Herz schlug schon in jungen Jahren für soziale Gerechtigkeit. Er gründete 1951 den Förderverein Altenpflege Calw, engagierte sich gemeinsam mit seiner Frau Gislind bei der AWO und trat im Betrieb für die Rechte der Arbeitnehmer ein. Das mag dazu beigetragen haben, dass er mit gerade einmal 26 Jahren aus dem Stand in den Gemeinderat gewählt wurde und dem Gremium dann auch 32 Jahre lang angehörte, ebenso 22 Jahre dem Kreistag. Auch unterstützte Heselschwerdt erfolgreich die Kandidatur von Karlheinz Lehmann, der dann in Calw mit 29 Jahren zum jüngsten Oberbürgermeister Deutschlands gewählt wurde. Für seine Treue und sein Engagement erhielt er von der Kreisvorsitzenden und SPD-Bundestagsabgeordneten Saskia Esken die große SPD-Ehrennadel mit Urkunde überreicht.

Gleich drei Genossen durfte Esken für ihre 50-jährige Mitgliedschaft in der SPD ehren: „Ihr seid 1968 in die SPD eingetreten, Zeit der großen Studentenunruhen, Bürgerrechtsbewegungen und Proteste gegen den Vietnamkrieg“. Die SPD war gerade Juniorpartner einer schwarzroten Koalition, auf die 1969 die erste Kanzlerschaft Willy Brandts folgen sollte. „Große Koalitionen haben der SPD also nicht immer geschadet", erinnerte Esken.

Helmut Seifried aus dem Ortsverein Calw/Stammheim ist einer von ihnen. Als Arbeiter „beim Daimler“ habe ihn damals überzeugt, in die Partei einzutreten, dass sich die SPD gemeinsam mit den Gewerkschaften für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einsetzte, berichtete Seifried. Neben seiner Mitgliedschaft in der SPD ist Seifried auch in Stammheimer Vereinen seit Jahrzehnten aktiv, seit 68 Jahren im Schäferhund-Verein und seit 56 Jahren im Musikverein. Zudem war Seifried drei Legislaturperioden als Ortschaftsrat in „seinem“ Stammheim aktiv. Für die anstehenden Kommunalwahlen sei das ein wichtiger Hinweis, so Esken: „Wer sich in seinem Lebensumfeld engagiert, in Vereinen aktiv ist oder sozial, der wird auch gewählt!“

Ebenfalls für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurde Roland Helber aus Schömberg, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern durfte. Helber hatte schon 1961 die erste Kanzlerkandidatur Willy Brandts aktiv unterstützt – gegen den Willen der Stadtverwaltung hielten die jungen Aktivisten den Calwer Marktplatz von Autos frei, damit „Willy“ dort sprechen konnte. Auch als Erhard Eppler 1964 und 1968 im Calwer Wahlkreis für den Bundestag kandidierte, war Helber aktiv beteiligt, so aktiv, dass jeder dachte, er sei Mitglied der SPD. „Da konnte ich genauso gut beitreten“, scherzte Helber aus dem Ortsverein Oberreichenbach im Wanderheim. Seit 1963 und bis zur Verwaltungsreform 1974 war Helber Bürgermeister in Sulz am Eck. Von ´76 bis ´84 kandidierte er dreimal für den Landtag. Seit jeher engagiert er sich außerdem in der Offenen Kirche und ist dort Geschäftsführer beim AMOS Preis für Zivilcourage. Zudem ist er Gründer und Mitgesellschafter der Bürgerenergie Genossenschaft, die das Schömberger Windrad betreibt. Die zahlreichen anwesenden Gäste wünschten sich, dass Helber als engagierter und streitbarer Leserbriefschreiber aktiv bleibt.

Karlheinz Dingler, der dritte 50er im Bunde, kommt aus Gechingen und hat dort auch seine Kindheit verbracht, und zwar an der Stelle, wo heute das Gechinger Rathaus steht. Später wuchs er im Stuttgarter Osten auf und trat dort auch der SPD bei. Esken scherzte, Dingler habe wohl nach seiner Rückkehr nach Gechingen für den Gemeinderat kandidiert, um an den Ort seiner Kindheit zurückzukehren. Tatsächlich gehörte Dingler dem Gremium 24 Jahre lang an. Zudem engagiert er sich seit vielen Jahren im Internationalen Kulturverein Gechingen für das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturkreise. Dingler ist auch ein Mann des Sports, hat selbst Fußball gespielt und in Gechingen als Fußball- und Gesamtjugendleiter gewirkt, ebenso wie im Vorstand der Sportfreunde Gechingen. Im Ortsverein der SPD fungiert der Finanzfachmann „schon immer und bis heute“ als der Kassier. Der Gechinger Ortsvereinsvorsitzender Tilman Schwarz teilt mit seinem Kassier gleich zwei Leidenschaften: „Der Karlheinz leidet mit den Roten, sei es die SPD oder der VfB.“

„Zu so einem geselligen und würdigen, schönen Mittag dürft Ihr öfter mal einladen“, waren sich die überwiegend älteren SPD-Mitglieder einig, die ins Wanderheim gekommen waren. Die Kreisvorsitzende Esken dürfte sich das aufgeschrieben haben.

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