BAD HERRENALB. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken hat die im vergangenen Jahr eröffnete Mädchenwohngruppe der FairWandlung gGmbH in Bad Herrenalb besucht. Im Mittelpunkt des Termins standen der direkte Austausch mit den Bewohnerinnen und die Perspektiven der jungen Frauen mit ihren schwierigen Lebenslagen.
Die Einrichtung, die von vier Gründerinnen ins Leben gerufen wurde, bietet derzeit Platz für 12 Mädchen. Die Anfangsphase war für das neu zusammengestellte Team eine große Herausforderung. „Gerade der Anfang zeigt, wie viel Kraft und Geduld professionelle Jugendhilfe erfordert. Umso beeindruckender ist es, wie hier mit einem klaren Konzept und großem Engagement ein sicherer Hafen für die Mädchen und jungen Frauen geschaffen wurde“, betonte Esken.
Heute zeigt sich das Konzept der Einrichtung als voller Erfolg. In der Wohngruppe leben Mädchen und junge Frauen zusammen, die mit schwierigen Biografien und auch mit psychischen Belastungen zu kämpfen haben. Es braucht ein engagiertes, multiprofessionellen Team, um jedem Mädchen mit seinen Bedürfnissen gerecht werden zu können und den Bewohnerinnen in allen Lebenslagen Rückhalt zu bieten. In naher Zukunft ist die Erweiterung auf eine dritte Wohngruppe geplant, für die die Bauarbeiten schon begonnen haben. Zudem ist der weitere Ausbau des Außenbereichs sowie die Anschaffung von Hühnern und Ziegen für pädagogische und therapeutische Maßnahmen geplant. Um zukünftige Projekte und Erweiterungen abzusichern, bemüht sich die gGmbH derzeit auch um die Unterstützung durch Stiftungen.
Wie wichtig die Arbeit der Einrichtung ist, machten die Mädchen selbst im direkten Gespräch deutlich. Viele litten in der Vergangenheit unter Mobbing und ausgeprägter Schulangst, was zu langer Schulabstinenz führte. Die intensive Betreuung trägt hier spürbare Früchte und stabilisiert den Weg zurück in einen geregelten Alltag. Viele besuchen inzwischen regelmäßig die Schule und arbeiten auf ihren Schulabschluss hin. Einige finden schon Raum dafür, Träume oder sogar konkrete Pläne für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Berufsausbildung zu entwickeln.
Im Gespräch mit dem Team der Betreuerinnen wurden auch die Herausforderungen angesprochen, die nicht in der Biografie der Mädchen liegen. Die medizinisch-psychiatrische Versorgung im ländlichen Raum kann den Bedarf nicht decken und es war äußert schwierig, einen betreuenden Arzt für die Wohngruppe zu finden.
Neben dem Einblick in den Alltag nutzten die Jugendlichen die Gelegenheit, der Bundestagsabgeordneten Fragen zu politischen Themen zu stellen. Esken beantwortete Fragen nach der Finanzierung des Staates und die Herausforderung von Haushaltsverhandlungen, aber auch Themen wie die humanitäre Verantwortung in der Flüchtlingspolitik wurde offen diskutiert.
„Junge Menschen müssen die besten Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben und Einrichtungen wie diese zeigen eindrücklich, wie entscheidend die Unterstützung auf diesem Weg ist“, unterstrich Esken während des Termins. „Dafür braucht es im sozialen Sektor nicht nur Herzblut, sondern vor allem auch langfristig verlässliche Strukturen und eine solide finanzielle Förderung durch Bund und Länder.“ Sie zeigte sich beeindruckt von dem großen Engagement der Mitarbeitenden, aber auch vom Mut der Mädchen. Die Abgeordnete verabschiedete sich mit den Worten „Ich wünsche Euch die Sicherheit, die Kraft und die Zuversicht, Euer Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen zu können. Viel Erfolg!“
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