Altensteig-Walddorf. Die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt und Ausschussvorsitzende für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Saskia Esken, besuchte das Bildungshaus Walddorf, um sich über die Entwicklung der pädagogischen Arbeit sowie aktuelle Herausforderungen in der frühkindlichen und schulischen Bildung zu informieren. Begrüßt wurde sie von Schulleiterin Ulrike Dengler und der Leiterin der städtischen Kindertagesstätte Frau Reimann. Mit dabei waren zudem Altensteigs Bürgermeister Oliver Valha und Hauptamtsleiter Thomas Bräuning.
Bei einem Rundgang durch die Kindertagesstätte mit Krippenbereich und die Grundschule stellte Dengler das pädagogische Konzept des Bildungshauses vor. Ziel ist es, durch gemeinsame Projekte, regelmäßige Begegnungen und abgestimmte Erziehungs- und Bildungsziele zu gewährleisten, dass die Kinder die verschiedenen Bildungsstationen als zusammenhängenden Weg erleben und dabei gemeinsam gut aufwachsen und lernen. Gerade die Übergänge von der Krippe in die Kita und von dort in die Grundschule, die sonst oft von Ortswechseln und schwierigen Eingewöhnungen geprägt sind, sollen möglichst bruchfrei gelingen.
„Unser Ziel ist es, Kindern Sicherheit zu geben und Übergänge so sanft wie möglich zu gestalten“, erläuterte Dengler. „Die Kinder kennen viele Räume, Fachkräfte und Abläufe bereits, bevor sie den nächsten Schritt gehen. Das nimmt Ängste und schafft Vertrauen.“
Die Kita arbeitet nach einem offenen Konzept: Die Kinder melden sich morgens bei den pädagogischen Fachkräften an und wählen anschließend selbst aus verschiedenen Bildungs- und Spielangeboten.
In der Grundschule informierte sich Esken über das pädagogische Konzept des selbstorganisierten Lernens. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten mit Wochenplänen auf drei Niveaustufen, die Pflicht- und Wahlaufgaben miteinander verbinden. Partnerarbeit und individuelle Lernwege spielen dabei eine wichtige Rolle.
Wie häufig im pädagogischen Bereich gibt es auch in Walddorf eine angespannte Personalsituation. Viele der überwiegend weiblichen Beschäftigten arbeiten in Teilzeit, was zu einem häufigen Wechsel der Bezugspersonen für die Kinder führt. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Ganztagsangeboten neuerdings wieder rückläufig. Ein Grund seien rückläufige Geburtenzahlen, doch auch die hohen Betreuungskosten belasten die Familien.
„Wenn Familien abwägen müssen, ob sie einen erheblichen Teil ihres Einkommens für die Betreuungskosten aufbringen, dann fällt die Entscheidung oft gegen eine erweiterte Erwerbstätigkeit der Mutter. Doch während wir so unsere Fachkräftebasis verlieren, verzichten die Frauen auf ihre Eigenständigkeit und auch ihre Berufsfähigkeit droht verloren zu gehen“, erklärte Esken. „Eine verlässliche Bildung und Betreuung ist also Trumpf, wenn es darum geht, dass unsere Teilzeitquote sinkt. Zudem sind die Kitas genau wie unsere Schulen Bildungseinrichtungen. Deshalb muss auch die Kita gebührenfrei sein.“
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die Sprachförderung. Rund 44 Prozent der Kinder in der Einrichtung haben einen Migrationshintergrund. Die Gesprächspartner diskutierten darüber, wie sprachliche Bildung möglichst früh und wirksam gelingen kann.
„Sprache lernt man am besten im gemeinsamen Alltag. Die Expertinnen und Experten halten deshalb nicht so viel von separater Förderung in separaten Einrichtungen“, so Esken. „Kinder brauchen möglichst viele Gelegenheiten, Sprache ganz selbstverständlich im Spiel, beim Lernen und im Miteinander zu erleben.“
Valha unterstrich die Bedeutung der Sprachförderung für die gesellschaftliche Teilhabe: „Sprache ist der Schlüssel für Bildung und Integration. Deshalb müssen wir Familien frühzeitig erreichen und sie für die Angebote unserer Einrichtungen gewinnen. Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Kommune, Bildungseinrichtungen und Elternhaus.“
Kritisch angesprochen wurden bürokratische Hürden bei der Unterstützung von Kindern mit besonderem Förderbedarf. So erschweren zusätzliche Anforderungen bei der Beantragung von Schulbegleitungen die notwendige Unterstützung.
„Wir müssen dafür sorgen, dass Hilfen dort ankommen, wo sie gebraucht werden – und nicht an bürokratischen Hürden scheitern“, betonte Esken. Häufig stecke aber auch ein Personalmangel hinter den Schwierigkeiten. Deshalb werde derzeit diskutiert, wie Pooling-Modelle Abhilfe schaffen könnten, bei denen eine Schulbegleitung mehreren Kindern in einer Klasse oder Schule zur Verfügung stehen. „Dabei darf aber nicht der Anspruch des einzelnen Kindes unter die Räder kommen“, mahnte die Abgeordnete.
„Für die Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf“ – so sagt es ein Sprichwort. Im Bildungshaus in Walddorf kann man sehen, wie positiv sich die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sich auf die Entwicklung und die Bildung der Kinder auswirkt. Gleichzeitig haben die Gespräche deutlich gemacht, wo Kommunen und Bildungseinrichtungen Unterstützung brauchen. „Diese Erfahrungen aus der Praxis sind unverzichtbar, wenn wir Bildungspolitik verbessern wollen.“, unterstreicht Esken zum Abschluss ihres Besuchs.
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