FREUDENSTADT. „Für uns sind Minijobs die einzige Möglichkeit, wie wir unseren Gästen längere Veranstaltungen ermöglichen können. Auch saisonale Buchungsspitzen können wir nur mit ihrer Hilfe bewältigen. Diese Beschäftigungsform abzuschaffen, ist für unsere Branche nicht tragbar.“ Diese Botschaft setzten die Vertreterinnen und Vertreter des DEHOGA aus dem Kreis Freudenstadt gleich zu Beginn ihres Gesprächs mit der örtlichen Bundestagsabgeordneten Saskia Esken. Eingeladen hatte die Kreisvorsitzende Beate Gaiser, die als stellvertretende Vorsitzende den Verband auch auf Landesebene vertritt. Für sie ist klar: Wir können unsere Vollzeitkräfte nur durchgehend bezahlen, wenn wir in Spitzenzeiten die Umsätze generieren können, die wir dafür brauchen. Minijobs sicherten deshalb auch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse.
Die Bundestagsabgeordnete Esken hält den Kontakt mit dem Verband seit vielen Jahren stabil – das gilt für einfachere und auch für schwierige Zeiten. Nicht zuletzt in der Pandemie, die die Gastronomie schwer getroffen hat, war Esken eine zuverlässige Ansprechpartnerin und hat sich in ihren Funktionen aktiv für die Branche eingesetzt – beispielsweise beim Thema reduzierte Mehrwertsteuer. „Ich habe familiäre Bande in die Branche und habe selbst jahrelang in der Gastro gearbeitet. Insofern empfinde ich eine tiefe Verbundenheit mit den Gastgebern“ machte Esken deutlich. Hin und wieder gebe es auch unterschiedliche Auffassungen. „Das tut der Qualität unseres Austauschs aber keinen Abbruch“ versichert die Abgeordnete.
Zur Debatte über die Minijobs erläuterte Esken die sozialpolitische Bedeutung des Themas. „Unser Fokus liegt darauf, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Altersarmut zu schützen. Viel zu oft arbeiten vor allem Frauen ausschließlich im Minijob. Das hat fatale Folgen für ihre finanzielle Unabhängigkeit, aber noch mehr für ihre Rente“, erklärte Esken.
Die Branchenvertreter machten dagegen deutlich, die meisten Aushilfen in der regionalen Gastronomie gingen einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nach. Den Minijob nutzten sie lediglich als Möglichkeit zum Zuverdienst. Esken empfahl den Gastronomen, ihre Argumente mit Daten und Praxisbeispielen zu untermauern, damit diese in die anstehenden politischen Beratungen einfließen könnten.
Auch die allgemeinen Kostensteigerungen setzen den Betrieben offenbar zu. Jörg Möhrle vom Hotel Tanne in Tonbach machte deutlich, dass neben gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel vor allem der kontinuierlich steigende Mindestlohn ein massiver Kostentreiber im Dienstleistungssektor sei. Um den Kostendruck abzufedern, investiere die Hotellerie zunehmend in digitale Prozesse und künstliche Intelligenz, beispielsweise im Rezeptionsbereich.
Esken machte deutlich, dass die Anhebung des Mindestlohns angesichts der allgemeinen Preissteigerungen notwendig sei, um gerade die unteren Lohngruppen aus der Armutsfalle zu holen. „Alles andere würde doch nur zu einem erhöhten Bedarf an ergänzenden Leistungen des Sozialstaats führen, und die finanzieren dann auch die Steuerzahler“ erläuterte Esken und fügte an, dass die Ökonomen die Ursache für die erhöhte Inflation in Dtschland nicht etwa in einer Lohn-Preis-Spirale sehen, sondern in globalen Krisen wie der Pandemie und des Ukraine-Kriegs.
Die einhellige Zustimmung der Gastronomen zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung ab dem ersten Tag und zu der Ausweitung sachgrundloser Befristungen auf bis zu vier Jahre konnte Esken nicht teilen. Einigkeit bestand dagegen bei der Notwendigkeit, bürokratische Prozesse zu beschleunigen, beispielsweise durch eine Genehmigungsfiktion: Was innerhalb einer festgelegten Frist nicht genehmigt wird, gilt dann als genehmigt. Zudem sollen Berichtspflichten grundsätzlich infrage gestellt werden, um die bürokratischen Lasten so weit wie möglich zurückzudrängen. Gaiser machte deutlich, dass die Branche diese Entlastung dringend brauche.
Insgesamt wurde in dem Gespräch deutlich, dass die Gastro mit der Zeit geht und jederzeit in der Lage ist, sich zu verändern und anzupassen. „Das liegt in der Natur des Geschäfts. Ich bewundere diese Fähigkeit im Gastgewerbe, jeden Tag mit sich verändernden Bedingungen umzugehen“, schloss Esken. Das sei eine Fähigkeit, die das Gastgewerbe schon über so manche Krise geholfen habe.
Kommentare
Einen Kommentar schreiben