Esken von Arbeit des Vereins „Die Treppe“ begeistert

Sigrid Baranek (links) und Sonja Baur vom Verein „Die Treppe“ besichtigen mit Saskia Esken (rechts) den Neubau für zwei Wohngruppen zur Betreuung psychisch kranker Menschen in Freudenstadt. (Foto: Ralf Recklies)

Seit 1978 betreut die Freudenstädter psychosoziale Hilfsgemeinschaft psychisch kranke Menschen – aktuell sind es jährlich bis zu 350 Personen. Im Herbst wird für die stationäre Betreuung ein Neubau mit 18 Wohnplätzen eingeweiht.

FREUDENSTADT. Schon in wenigen Wochen soll der Neubau des Freudenstädter Vereins „Die Treppe“ mit zwei Wohngruppen für jeweils neun psychosozial hilfebedürftige Bewohner fertiggestellt sein. Bei einem Besuch der 1978 gegründeten psychosozialen Hilfsgemeinschaft hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken gemeinsam mit der „Treppe“-Geschäftsführerin Sonja Baur aber nicht nur den Neubau an der Karl-von-Hahn-Straße besichtigt. In der psychiatrischen Tagesstätte der Hilfsgemeinschaft in der Daimlerstraße unterhielt sich die SPD-Abgeordnete des Wahlkreises Calw/Freudenstadt mit Betroffenen, die sich über den Besuch und den Austausch mit der Abgeordneten freuten. Beim Sommerfest des Vereins im Haus Schönblick, in der zehn der mehr als 300 Klienten des Vereins „Die Treppe“ stationär betreut werden, kam die Abgeordnete neben Mitarbeitern, Klienten und deren Angehörigen zudem mit zahlreichen Kooperationspartnern des Vereins ins Gespräch.   

„Der Umzug der beiden Wohngruppen aus unserem bisherigen Domizil in den Neubau ist für den 15. Oktober terminiert“, erklärte Sonja Baur der SPD-Bundespolitikerin beim Besuch des nahezu fertiggestellten Neubaus. Die Einweihung des neuen Gebäudes soll dann im November erfolgen. Die Investition für den Neubau muss der Verein über die Betriebskostenerstattung der Sozialhilfeträger refinanzieren, da eine direkte Förderung für den Neubau nicht möglich war. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, sagt Sonja Baur und erklärt damit, warum der Neubau nicht sofort nach Fertigstellung, sondern erst nach erfolgtem Einzug der Bewohner der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Ob die von „Die Treppe“ betreuten Klienten dann auch ihre Zimmer für die Besucher öffnen, bleibt diesen überlassen. „Einige wollen es, andere nicht“, so Baur, die es für wichtig hält, dass die von dem Freudenstädter Verein betreuten Menschen ihre Selbstbestimmung leben können. Viel Zeit habe der Verein in die konsequente Planung des Gebäudes mit drei Etagen gesteckt. So finden sich im Erdgeschoss Gemeinschafts- und Beratungsräume, Räume für die Hauswirtschaft sowie die Büros der Mitarbeiter, während in den beiden darüber liegenden Stockwerken jeweils neun Einzelzimmer und Räume zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung stehen. Jeweils zwei Bewohner teilen sich ein Bad, ebenso einen kleinen Balkon, auf dem dann auch geraucht werden darf, „denn 95 Prozent unserer Klienten sind Raucher“, erklärte Baur der Bundestagsabgeordneten.

Dass der Freudenstädter Verein „Die Treppe“, dessen Beratungsstelle am Marktplatz in Kürze ihr zehnjähriges Bestehen feiert, eine gute und wichtige Arbeit leistet, erlebte Saskia Esken beim Besuch der Tagesstätte an der Gottlieb-Daimler-Straße, in der von Montag bis Freitag täglich wechselnde, niedrigschwellige und kostenlose Angebote für psychisch kranke Menschen gemacht werden. Es sei schön, sich in der Tagesstätte mit anderen Menschen zu treffen, sagte einer der Betroffenen zu den Tagesangeboten – „schließlich sind meine anderen Kumpels ja tagsüber in der Arbeit“. Auch erfuhr Esken im Gespräch, dass die Programmangebote der Tagesstätte abwechslungsreich sind und dennoch einem klaren Rhythmus folgen. „Hier ist für jeden etwas dabei und dennoch gibt das Programm den Menschen eine gute und wichtige Struktur im Tages-, Wochen- und Jahresablauf“, ist die Bundespolitikerin überzeugt. Esken begrüßte es zudem, dass der Verein „Die Treppe“ sich mit Partnern darum bemüht, die von psychischen Erkrankungen Betroffenen nach Möglichkeit wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Wir alle definieren uns mehr oder weniger über unsere Erwerbsarbeit, und deshalb ist diese auch für leistungseingeschränkte Menschen mit sogenannten Vermittlungshemmnissen sehr wichtig“, macht Esken deutlich.

Sonja Baur und Sigrid Baranek, Leiterin der ambulanten Dienste des Vereins, bedauern in diesem Zusammenhang den Wegfall der 1-Euro-Jobs. Esken würde sich dagegen wünschen, dass auch Menschen, deren Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit zum Beispiel durch eine psychische Erkrankung eingeschränkt ist, ihren Platz im regulären, sogenannten „ersten“ Arbeitsmarkt und damit in der Gesellschaft finden. Der Internethändler Amazon plane an seinem Unternehmensstandort in Pforzheim ein Programm zur Inklusion psychisch kranker Menschen, berichtete die Abgeordnete. „Ich möchte sehr gerne auch Unternehmen in den Landkreisen Freudenstadt und Calw dazu motivieren, ganz gezielt Arbeitsangebote für Beschäftigte zu machen, die nicht voll leistungsfähig sind und die möglicherweise Unterstützung benötigen, die aber wie alle anderen einen Anspruch darauf haben, als Mitglieder unserer Gesellschaft wertgeschätzt zu werden“, macht Esken den Gedanken der Inklusion deutlich, für den sie sich im Rahmen ihrer Mitarbeit in einer Fraktionsarbeitsgruppe zur  Vorbereitung des neuen Teilhabegesetzes besonders einbringen will.

Beim Sommerfest des Hauses Schönblick erfuhr die Abgeordnete, dass die Arbeit des Vereins „Die Treppe“ mit seinen rund 80 Mitgliedern und 36 Mitarbeitern in einem wertvollen Netzwerk zahlreicher Behörden und anderer Institutionen geleistet wird. Einmal jährlich treffen sich Mitarbeiter, Klienten, Partner und Freunde des Vereins „Die Treppe“ im Garten des Hauses, um gemeinsam einen schönen Tag zu verbringen und das Netzwerk zu pflegen. Dass sich auch viele Klienten bei der Vorbereitung des Sommerfestes eingebracht haben, freute Saskia Esken, die vor allem begeistert von dem Salatbuffet war, das die Bewohner des Hauses mit Unterstützung der Hauswirtschaft zusammengestellt hatten. Esken bedankte sich bei den fleißigen Helfern und lobte: „Richtig lecker.“   

 

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