Esken: "Es darf keinen Corona-Jahrgang geben."

Die SPD-Bundestagsabgeordnete spricht mit Vertreter*innen des Kreisjugendringes Calw zur Situation der Vereine, der Schulsozial- und Jugendarbeit in der Region.

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CALW/ FREUDENSTADT. Kinder und Jugendliche leiden besonders, wenn wegen der Corona-Pandemie soziale Kontakte mit Gleichaltrigen fehlen. Nicht nur Schulen mussten schließen, auch die Jugendfreizeiteinrichtungen und Vereine in der Region mussten ihre Aktivitäten reduzieren oder ins Digitale verlegen und haben mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Um sich über die Situation zu informieren und auszutauschen, traf sich die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken mit Vertreter*innen des Kreisjugendringes Calw in einer Videokonferenz. Wolfgang Borkenstein und Renate Zaiser-Woischinski vom Kreisjugendreferat des Landratsamtes Calw, Gabi Vetter, Vorsitzende des Kreisjugendringes, und Jürgen Prchal, Vorsitzender der Sportkreisjugend, nahmen an der Konferenz im digitalen Format teil.

„Der Schock für uns war groß, als die Jugendhäuser das erste Mal im Frühjahr geschlossen werden mussten“, berichtete Wolfgang Borkenstein zu Beginn der Konferenz. Jedoch habe man in der Zeit der Schließung viele Konzepte entwickeln können, die jetzt umsetzbar sind, so Borkenstein weiter. Dennoch werde die Situation der Jugendarbeit und der Schulsozialarbeit in den Medien kaum thematisiert. „Es sind vor allem die Schüler*innen, die es ohnehin nicht allzu einfach haben, die im Homeschooling durchs Raster fallen, weil sie die Chance nutzen, um abzutauchen“, so Borkenstein. Esken hatte als ausgewiesene Bildungspolitikerin viel Verständnis für die Unzufriedenheit und ergänzte: „Diese Schüler*innen ziehen sich nicht aus Faulheit vom Unterricht zurück. Ihnen fehlt der direkte Kontakt zu Mitschülern, aber auch zu den Lehrkräften, sie verlieren die Bindung zur Schule und damit die Motivation. Die Schulsozialarbeit hat da eine ganz wichtige Aufgabe, den Kontakt zu halten.“

Doch nicht nur zur Schule drohen die jungen Menschen den Kontakt zu verlieren, auch Institutionen der außerschulischen Bildung und Begleitung fehlt die Kontinuität des Kontakts: „Beziehungs- und Vertrauensarbeit sind nur in persönlichen Besprechungen mit Jugendlichen gut möglich. Wenn Kinder oder Jugendliche über Monate keinen Kontakt zu den Schulsozialarbeiter*innen oder den Betreuer*innen im Jugendzentrum oder im Verein haben, geht vieles verloren“, erklärte Borkenstein. „Beziehungsarbeit mit Maske – das geht eigentlich gar nicht“, räumte Esken ein und ergänzte: „Wir müssen alles dafür tun, dass Kinder und Jugendliche auch in Zeiten von Corona die notwendige Bildung, aber auch die notwendige Sicherheit und Stabilität erfahren, die erfahren müssen, um zu selbständigen Erwachsenen heranzureifen." Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde eine weitere Befürchtung der Vereine im Kreis deutlich: Manche im Ehrenamt engagierte Menschen könnten nach der langen Schließung ihr Engagement nicht mehr aufgreifen. „Da kann uns viel Wertvolles verloren gehen“, fürchtet Esken.

Zur Situation der Sportvereine in der Region berichtete Sportkreisjugendvorstand Prchal: „Der finanzielle Background ist den Vereinen weggebrochen. Es gibt keine Veranstaltungen wie zum Beispiel Jugendturniere. Manche Vereine im Kreis mussten sich Geld leihen, um Fußbälle kaufen zu können, so prekär ist die Lage.“ Die Bundestagsabgeordnete machte deutlich, dass die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung notwendig seien, auch junge Menschen seien von Infektionen betroffen und erkrankten zum Teil schwer. Deshalb müssten Gruppengrößen reduziert und das Training, trotz Winter, nach draußen verlagert werden, sollte der Trainingsbetrieb im Frühjahr wieder aufgenommen werden können. Zum Abschluss wies die Abgeordnete auf eine besondere Fördermaßnahme des Bundes für Sportstätten hin, die sich auf 700 Millionen Euro beläuft und die von den Kommunen sehr gut angenommen werde.

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