Saskia Esken
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Esken: "Veränderung ist der Normalzustand"

Die SPD-Bundestagsabgeordnete sprach am bundesweiten Europa-Projekttag mit 60 Schülern am Dornstetter Gymnasium. Vor allem der "Artikel 13" der Urheberrechts-Richtlinie brannte den jungen Menschen unter den Nägeln.

Europa ist jungen Menschen egal? Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Das hat der Besuch der SPD-Bundestagsabgeordneten Saskia Esken in Dornstetten am Europa-Projekttag gezeigt. Foto: Benjamin Breitmaier

Dornstetten. Es war ein besonderer Tag, an dem die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken mit 60 Schülern des Dornstetter Gymnasiums über die Europäische Einigung sprach. Während sie mit den Schülern der Oberstufe dis-kutierte, fand im Europäischen Parlament eine wichtige Debatte und Entscheidung statt. Der "Artikel 13" der Ur-heberrechts-Richtlinie brannte auch einigen Dornstetter Schülerinnen und Schülern unter den Nägeln.

Anlass für den Besuch der Bundestagsabgeordneten war der deutschlandweite Europa-Projekttag, an dem Vertreter der Parlamente aufgerufen sind, mit Schülerinnen und Schülern über die Werte, die Bedeutung und auch über die Probleme der Europäischen Union ins Gespräch zu kommen.

Die Schüler hatten im Vorfeld gemeinsam mit Fachlehrer Sascha Deckert Fragen vorbereitet, mit denen sie die Ab-geordnete löcherten. Beim Thema "Artikel 13" wurde Esken emotional. Die Digitalpolitikerin gilt als eine der pro-filiertesten Gegnerinnen des "Artikels 13" in der aktuellen Fassung der EU-Urheberrechtsreform. "Das Recht von Urhebern und Kreativen auf eine faire Vergütung ist total wichtig. Uploadfilter sind zur Durchsetzung dieser Rechte aber einfach unverhältnismäßig, und sie tragen die Gefahr in sich, für die Zensur missliebiger Inhalte missbraucht zu werden", ärgerte sich Esken. Nur Minuten später verabschiedete das EU-Parlament die Reform. Esken zeigte sich aber dankbar, dass so viele Menschen gegen die Reform auf die Straße gegangen waren.

Warum eigentlich Europa? Bei allem Frust über die Entscheidung machte Esken ihre Begeisterung für die Europäische Einigung deutlich: Schülerinnen und Schüler von heute kennen keine Schlagbäume an den Grenzen, sie kennen keine Lira, keine Peseta und keinen Franc mehr. Sie haben nach ihrem Abschluss die Freiheit, überall in der EU arbeiten zu können. "Doch die wichtigste Errungenschaft der EU, das sind 70 Jahre Frieden", erklärte die Abgeordnete. "All das ist für Euch Normalität. Dabei zeigt uns der Brexit, wie wenig selbstverständlich die Europäische Einigung ist!"

Was Esken von den Fridays for Future-Demos halte, wurde sie gefragt. "Leute, denen ihre Zukunft am Herzen liegt, das finde ich wirklich bemerkenswert", erklärte Esken. Sie fühlte sich an ihre eigene Vergangenheit erinnert, als auch sie auf der Straße stand, um für Frieden oder gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren.

Wie geht es weiter mit dem Brexit? Die Frage konnte auch die Bundestagsabgeordnete nicht beantworten, "da bräuchte man gerade eine Glaskugel, es ist bisher alles so verrückt verlaufen". In der Zeit vor dem Referendum, so Esken, sei eine Menge falscher Informationen verbreitet worden, "Fake News" vorwiegend in den sozialen Medien, aber auch über Revolverblätter, die sich insbesondere in England großer Beliebtheit erfreuen. Diese Meinungsmache habe den Ausgang des Referendums maßgeblich beeinflusst. "Man hat den Briten eingeredet, sie hätten durch den Austritt mehr Geld zur Verfügung, es gebe mehr Handel, mehr Arbeit, mehr Unabhängigkeit. Was aber viele nicht bedenken: In einer globalen Wirtschaft geht es mir nur gut, wenn es auch meinen Partnern gut geht." Noch mehr als für die Briten gelte das eigentlich für die deutschen Exportweltmeister, deren Produkte ja nur von denen gekauft werden, die sie auch bezahlen können.

Warum geht der Mobilfunk-Ausbau so langsam voran? Wie hält Esken es mit dem Lobbyismus? Wie sollte man mit dem europaweiten Rechtsruck umgehen? Was hält sie von einer Legalisierung von Cannabis? – ganze 90 Minuten durften die Schüler ihre Bundestagsabgeordnete mit Fragen löchern. Das Interesse der Schüler ging dabei weit über europäische Fragestellungen hinaus. Wichtig war der SPD-Abgeordneten beim Gespräch mit den Schülern vor allem, dass man sich offen für Veränderung zeige. Esken: "Ich habe einmal auf einer Veranstaltung zum Thema Nationalpark jemanden sagen hören 'Wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist', aber das funktioniert nicht. Nie bleibt alles gleich, und Veränderung ist der Normalzustand! Die einzige Wahl und gleichzeitig die große Chance, die wir haben, wenn wir die Veränderung annehmen: Wir können sie selbst gestalten."

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