Saskia Esken
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Wer sich in die Küche begibt, muss damit rechnen, dass es da warm ist

Über den Umgang mit Fake News

[Article in english]

Seit einigen Tagen werden meine Accounts bei Twitter und bei Facebook von sehr zahlreichen, teils bösartigen Kommentaren geflutet. Bei Twitter geht das so weit, dass ich meinen Account nicht mehr richtig nutzen kann: Ich kann konstruktive Kommentare und Anfragen nicht wie gewohnt zeitnah beantworten, weil sie in der Masse der unsachlichen Kommentare untergehen. Ähnlich ist es bei Facebook. Dort werden nicht nur meine Posts, sondern auch die von anderen, die mich verlinken oder abbilden, mit Äußerungen kommentiert, die mit dem Thema des Posts nichts zu tun haben.

Grund für die ganze Aufregung: Ich habe via Twitter zwei Unternehmen darauf hingewiesen, dass ihre Werbung auf der Website einer Fake News-Plattform angezeigt wird. Die Unternehmen waren sich dessen nicht bewusst, und sie wollen das künftig unterbinden.

Ich will mich heute zu diesen Tweets, zu meiner Motivation und zu den Hintergründen ausführlich äußern.

Unser Umgang mit #fakenews wird zur Herausforderung des Jahres 2017

Immer mehr sogenannte Nachrichtenportale schießen aus dem Boden – oder besser: aus dem Netz -, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Fake News-Produzenten stricken mit einer steilen Überschrift, einem schräg interpretierten Bild oder der falschen Korrelation von Zahlen und Daten Meldungen, die sich im Netz viral, also wie ein Virus verbreiten. Solche Meldungen stellen Gefühle über Fakten und Meinungen über die Wahrheit, und sie werden von Millionen Nutzern in den Sozialen Medien weiterverbreitet, millionenfach gelesen oder zumindest angeklickt. Clickbaiting nennt sich das, denn mit jedem Klick auf die Seiten des Portals werden Werbeeinnahmen generiert, und die finanzieren den Lebensunterhalt oder auch die politischen Zielsetzungen der Produzenten. Zudem finanzieren sie die Produktion von mehr viralen, aber eben falschen „Nachrichten“ – fake news eben.

Doch hinter Fake News stecken nicht nur Geschäftsinteressen, das lässt sich aus der Tendenz der Meldungen und Geschichten ebenso erkennen wie aus ihrer Wirkung. Fake News sind Propaganda, und die ist antidemokratisch, antiliberal und antipluralistisch. Sie ist rassistisch, homophob und sexistisch, sie richtet sich gegen die Gleichstellung und diskriminiert Minderheiten und Schwache. Diese Propaganda hat das Potenzial, in unseren westlichen Demokratien größtmöglichen Schaden anzurichten. Sie schürt Misstrauen und Hass gegen die etablierte Politik, gegen staatliche Einrichtungen und andere „etablierte“ Institutionen. Sie bezichtigt seriöse Medienunternehmen der Lüge und unterstellt, diese seien allesamt von der einer geheimen Elite gesteuert und gleichgeschaltet. Damit spaltet sie die Gesellschaft und bereitet den Boden für Populismus und Demagogie in der Politik, und sie sorgt für Wahlerfolge aufseiten der ultrarechten, nationalistischen und antidemokratischen Kräfte in Europa ebenso wie in den USA.

Der Fall Breitbart – Berichterstattung zwischen Clickbaiting und Propaganda

Ein Paradebeispiel für ein solches Medienunternehmen ist das Breitbart News Network. Der Gründer des Unternehmens war Andrew Breitbart, und das Unternehmen unterhält  Büros in Los Angeles und Texas, in London und in Jerusalem. Heute führen Alexander Marlow, Larry Solov und Stephen Bannon das Unternehmen. Der frühere Goldmann Sachs Banker Bannon war Donald Trumps engster Berater im Wahlkampf, und folgerichtig wurde er nach der Wahl als Chefstratege und ranghöchster Berater im Weißen Haus berufen.

Breitbart hat nun angekündigt, seine Tätigkeit nach Europa auszudehnen, wo zunächst in Paris und Berlin Redaktionen eröffnet werden sollen. Herausgeber und Chefredakteur Marlow hat für Frankreich bereits angekündigt, die Kandidatur von Marine Le Pen vom ultrarechten Front National unterstützen zu wollen. Ähnliches ist wohl in Deutschland für die AfD zu erwarten.

Wenn wir nicht erleben wollen, wie Breitbart und andere unsere Medienlandschaft und unsere politische Ordnung diskreditieren, unsere Gesellschaft spalten, wenn wir nicht zusehen wollen, wie Demagogie die politische Meinungsbildung in Deutschland zerstört, dann müssen wir uns etwas einfallen lassen. Und zwar schleunigst.

Fake News müssen enttarnt werden - Guter Journalismus benötigt finanzielle Grundlage

Natürlich müssen wir Populismus und Demagogie zunächst inhaltlich widerlegen und bekämpfen. Es ist eine Aufgabe für Fachleute, die Entstehung und die Hintergründe von Meldungen der Fake News-Fabriken zu recherchieren und zu widerlegen, das ist was für Journalisten. Diese fachlich anspruchsvolle und aufwändige Arbeit, die Journalisten in den klassischen Medien oder in Recherchenetzwerken und Initiativen wie Schmalbart leisten, die muss eben auch finanziert werden. Dafür braucht es wirtschaftliche Strukturen, dafür braucht es die finanzielle Unterstützung der Nutzer, aber auch der Zivilgesellschaft und ggf. des Staates.

Als politisch denkender Mensch ist mir am Erhalt unserer Demokratie und am Zusammenhalt der Gesellschaft hoch gelegen, und deshalb bin ich auch bereit, für die Arbeit von Journalisten Geld auszugeben, sei es als Abonnentin, mit Einzelnutzungsentgelten oder eben als Unterstützerin für Projekte wie die Krautreporter oder Schmalbart. Und ich bin auch bereit, mich für die staatliche Förderung eines unabhängigen Qualitätsjournalismus einzusetzen.

Die gute Arbeit der Journalisten muss aber auch Verbreitung finden, und da sind wir als Zivilgesellschaft, als Community gefragt. Wenn eine populistische Falschmeldung widerlegt wurde, dann müssen die wahren Fakten und Gegenargumente auch wahrgenommen und verbreitet werden, sie müssen auch zu denen getragen werden, die sie zunächst nicht hören wollen. Das ist mühevoll und unbequem und manchmal sogar lästig, aber das muss es uns wert sein.

Mit Demagogie sollte man kein Geld verdienen können – und keinen Erfolg haben

Ein anderer Weg, Fake News zu bekämpfen, geht über das Verständnis und die Störung ihres Geschäftsmodells. Neben privatem Geld basiert die Finanzierung von Breitbart und anderen Fake News-Plattformen auf Einnahmen durch Werbung, die auf den Seiten angezeigt werden. Weil Unternehmen heutzutage keinen Anzeigenvertrag mit einzelnen Plattformen oder Webseiten schließen, sondern Agenturen für die Sichtbarmachung ihrer Werbung bezahlen, ist ihnen oft nicht bekannt, auf welchen Webseiten und in welchem Kontext ihre Werbung angezeigt wird. Wenn die Werbung eines Unternehmens auf Seiten wie Breitbart angezeigt wird, dann heißt das also noch lange nicht, dass das Unternehmen sich dessen bewusst ist.

Gezielte Werbung ist natürlich erfolgversprechender als Werbung mit der Gießkanne. Deshalb können die Unternehmen ganze Kategorien oder auch einzelne Seiten ein- oder ausschließen. Da es den Ruf eines Unternehmens durchaus beschädigen kann, mit den Inhalten einer dubiosen Seite in Verbindung gebracht zu werden, kann man Unternehmen durchaus dazu motivieren, Fake News-Plattformen auszuschließen (blacklisting).

Ich habe deshalb - auf Anregung der Initiative Sleeping Giants – beispielhaft und probehalber zwei Unternehmen bei Twitter darüber informiert, dass ihre Werbung bei Breitbart angezeigt wird. An die Fluglinie airberlin und an das Lieferportal werliefertwas habe ich geschrieben:

„ Eure Werbung erscheint bei einer Neonazi-Website. Das kann nicht gewollt sein, oder?“ und ich habe einen Screenshot der Breitbart-Webseite hinzugefügt.

Weil ich das halbwegs öffentlich getan habe, haben meine Hinweise nicht nur dazu geführt, dass die Unternehmen ihre Anzeigenschaltung überdenken und Breitbart ggf. ausschließen wollen. Es hat sich auch einen Sturm der Entrüstung, ein Shitstorm gegen mich erhoben, erst bei Twitter und dann auch bei  Facebook.

Viele Reaktionen werfen mir oder den Anzeigenkunden eine Beschränkung der Meinungsfreiheit vor. Das ist natürlich Quatsch, und noch viel weniger ist es Zensur. Breitbart kann im Rahmen der deutschen Gesetzgebung auch weiterhin jede Meinung äußern, die also beispielsweise keine Volksverhetzung betreibt oder keine Verleumdung begeht. Nur dass der Anzeigenkunde eben nicht mehr dafür bezahlt.

Hier agiert ein ganzes Netzwerk der Neuen Rechten – Vorwürfe haben System

Andere werfen mir vor, ich hätte Breitbart denunziert. Das ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, ich habe Anzeigekunden diese Webseite bekanntgemacht, damit diese sich überlegen, ob sie ihre Werbung dort platziert haben wollen. Das ist keine Anzeige im juristischen Sinne, aber eine Anzeige bei der Öffentlichkeit ist es schon.

Möglicherweise hat die Schärfe und Häufigkeit des Vorwurfs aber auch damit zu tun, dass ich Breitbart als „Neonazi-Website“ bezeichne. Man muss dazu wissen, dass die neue Rechte nicht nur in den USA auf Distanz zum Antisemitismus der N(eon)azis alter Schule geht. Marine Le Pen hat den Front National inklusive ihres eigenen Vaters von allen antisemitischen Strömungen bereinigt, und auch die deutsche neue Rechte sieht ihren Hass auf den Islam und die Menschen, die ihm zugehören, geradezu einen Nachweis ihrer pro-israelischen und pro-jüdischen Haltung.

Eine solche Umdeutung von Begriffen kann ich nicht stehen lassen. Ich sage: Wer ganze Religionsgemeinschaften diskriminiert und zum Hassobjekt erklärt, seien es nun Juden oder Moslems, Hindus oder Christen, der ist in meinen Augen ein erbärmlicher Menschenhasser. Und wenn er sich dazu rassistisch äußert, frauenfeindlich und homophob ist, die Angst vor Fremde schürt und Behinderte ausgrenzt, dann will ich ihn Nazi nennen, auch wenn das manchen nicht gefällt.

Einige Kommentatoren vergleichen meine Aktion gar mit der Nazi-Kampagne „Kauft nicht bei Juden“. Sie beziehen sich damit auf den Gründer des Unternehmens, Andrew Breitbart, der Jude gewesen ist. Das ist natürlich perfide, geradezu bösartig, und es schlägt ein, aber es ist auch blödsinnig. Meine Kampagne richtet sich nicht gegen eine Religion oder die Zugehörigkeit zu einer Religion, weder gegen das Judentum von Andrew Breitbart noch gegen den irischen Katholizismus von Stephen Bannon. Meine Kampagne heißt „Kauft nicht bei Menschenhassern, bei Populisten und Demagogen“, denn das sind sie mit ihrem Kampf gegen unsere offene und freie Gesellschaft, die wir verteidigen werden.

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Kommentar von Röhl |

Kauft nicht bei Sozialdemokraten und wählt sie auf keinen Fall!

Kommentar von Lutz von Fischer |

Vielen Dank für diesen Artikel. Als einfacher Link wird er bei unangenehmen Diskussionen helfen!

Kommentar von B. Lachner |

Es wäre am Gesetzgeber, nicht nur das absichtliche Verbreiten von Fake-News zu verbieten und Bestrafen sondern auch Werbe-Netzwerke oder Werber allgemein ggf. mit finanziellen Strafen zu belangen, wenn sie wissentlich ihre Werbe-Anzeigen auf Fake-News-Seiten veröffentlichen.

Also nicht nur schlechtes Image sondern auch finanzieller Schaden.

Danke auf jeden Fall für diesen ausführlichen Artikel und die Bemühungen.

Kommentar von Benjamin |

Sehr geehrte Frau Esken,

bitte belegen Sie doch die Unterstellung, dass breitbart.com eine "Neonazi-Seite" ist. Erinnern Sie sich an die Ideologie der Nazis und wen sie vor allem in KZ's deportierten?

Sie erwähnen doch selbst in Ihrem Statement, dass der Gründer Andrew Breitbart Jude war. Er ist "erst" 2012 verstorben. Hat sich innerhalb von fünf Jahren so viel getan, dass die Nachrichtenseite, die ein Jude gründete, auf einmal eine "Neonazi-Webseite" ist?

Wissen Sie, dass unter den aktuellen Autoren nach wie vor Juden sind?

Wissen Sie, dass einer der Autoren von breitbart.com sich eine Auseinandersetzung mit einem anderen Juden lieferte, wobei ein Jude einen anderen Juden als "judenfeindlich" bezeichnete?

Gibt es so etwas nicht auch unter Deutschen, die sich über ein Thema streiten und einer den anderen dann "anti-deutsch" oder ähnlich bezeichnen?

Gibt es nicht auch verschiedene Meinungen unter Christen, die dazu führen, dass ein Christ den anderen nicht mehr als Christen bezeichnen will, ihn sogar als "Antichristen" verteufelt?

Wird durch einen solchen Streit tatsächlich ein allgemeingültiges Zeugnis ausgestellt?

Breitbart berichtet sicherlich in manchen Artikeln tendenziös. Wenn Sie jedoch behaupten, es handele sich um eine "Neonazi-Webseite", dann sollten Sie das bitte endlich belegen, am besten mit Zitaten. Sie schreiben ein sehr langes Statement, erwähnen aber kein Zitat, das Ihre deftige Behauptung unterstreicht.

Der Grund warum der "antijüdische" Vorwurf gegenüber breitbart.com im und nach dem Wahlkampf in den USA übernommen wurde, ist doch offensichtlich. Breitbart war gegen Clinton. Es ist die Clinton-Lobby, die Breitbart in ein gewisses Licht rücken möchte. Das ist schmutzige Wäsche, die dort gewaschen wird. Sollten wir uns daran beteiligen?

Haben Sie die Fakten geprüft? Oder sind Sie etwa nur eine Mitläuferin, die die Meinung anderer ungeprüft übernimmt?

Ihr eigenes Statement ist somit ein Paradebeispiel für "Fake-News", indem Sie Dinge behaupten, die nicht den Tatsachen entsprechen. Sollte ich mich täuschen, bitte ich um ein kleines Update auf Ihrer Seite, wodurch klar wird, dass breitbart.com eine "Neonazi-Webseite" ist.

Um das noch klarzustellen. Ich trete weder als Verteidiger von Trump noch von breitbart.com auf. Mir geht es um die Wahrheit. Man kann Breitbart kritisieren, vielleicht muss man das auch. Aber dann muss es auch stimmen.

Wer großspurig "Fake-News" den Kampf ansagt, muss selber mehr Substanz in seinen Aussagen haben.

Kommentar von Jan |

Danke für die klaren, richtigen und wichtigen Worte!

Kommentar von Rainer Buckl |

Sehr geehrte Frau Esken,

Sie haben Ihre Meinung geäußert und vermutlich viel begründete und unbegründete Kritik erfahren. Sie werden daraus lernen und Ihre Schlüsse ziehen. Ich möchte ich sie von herzen bitten, als Politikerin darauf hinzuwirken, daß die freie Äußerung der Meinung, auch wenn sie oftmals schwer zu ertragen ist (was allerdings auch vom jeweiligen Blickwinkel des Betroffenen abhängt) nicht leichtfertig oder über Umwege eingeschränkt wird.

Eine persönliche Anregung als Bürger Ihres Wahlkreises (aus Alpirsbach): Setzen Sie sich zuförderst für uns Bürger und unsere Probleme ein! Z.B. in Alpirsbach , die da sind eine Infrastruktur die verrottet (Straßen,öffentliche Gebäude Industriebrachen), Arbeitslosigkeit (!) durch Betriebsverlagerung nach Osteuropa (Fa. Hetal-Beschläge) ca. 100 AN binnen 1/2 Jahres werden arbeitslos

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüße aus Alpirsbach

Rainer Buckl

Burghaldenstr.15
72275 Alpirsbach

www.ferienhaus-panoramablick.jimdo.com

Kommentar von Volker Bleckmann |

Sehr geehrte Frau Esken, es tut mir leid, dass sie persönlichen und diffamierenden Angriffen ausgesetzt sind. Ich möchte Ihnen als langjähriger SPD Wähler aber gerne einmal sagen, dass ich ihr Verhalten hoch bedenklich finde. Es ist sogar nicht übertrieben, wenn ich sage , ich bin entsetzt. In ihrer Stellungnahme vermisse ich die Reflektion des denunziatorischen Gehalts Ihrer Handlungsweise.

Kommentar von K. Kessler |

Sehr geehrte Frau Esken und werte Kommentatoren,

dies ist natürlich ein kontroverses Thema und Frau Esken hätte in Ihrem Tweet wirklich nicht von Neonazi-Seite schreiben sollen. Sie hätte in Ihrem Beitrag hier sicher auch ein paar Beispiele anführen können. Also werde ich zu diesen zwei Punkten einmal Stellung beziehen.

Zuvor:
1) Und es ist auch klar, dass solche "Nachrichten" weniger Beachtung finden würden, wenn sich mehr um die Sorgen der Normalbürger gekümmert werden würde. Hier gibt es klare Defizite, z.B. Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen, zu viele befristete Arbeitsverträge/Zeitarbeit. Wir leben in sehr dynamischen Zeiten und haben noch kein adäquates Mittel gefunden diesen Wandel dauerhaft abzufedern, so, dass all denen, die ihr Arbeitsplätze aufgrund von Automatisierung und anderem Fortschritt verlieren eine weitere Perspektive gegeben werden kann.
2) Es geht hier meiner Ansicht nach nicht um Politik, denn die ändert sich, Politiker sind auch nur temporär "an der Macht", was aber langfristige Auswirkungen hat, ist der Umgang miteinander. Wenn wir uns und unsere Standpunkte und unsere jeweiligen Lebensarten respektieren, uns zuhören, dann können wir unser Problem lösen, wie unter 1 genannt. Wenn wir uns aber herabwürdigen, beschimpfen und vor den Kopf stoßen, dann wird es lange dauern bis wir wieder zusammen an der Lösung von Problemen arbeiten können und es können viele neue Probleme entstehen. Am Ende würden vielen Menschen unter diesen neuen Problemen leiden, meistens die, die heute schon nicht so gut dastehen.
3) Ich habe heute das erste Mal eine Firma auf ihre Werbung bei Breitbart hingewiesen. Dieser Hinweis erfolgte ohne, dass ich wertende Worte genutzt habe. Die Antwort kam sehr prompt und der Geschäftsführer der Firma hat Worte wie "rechtsradikal" selbst genutzt. Was ich damit sagen möchte ist folgendes: Es geht dabei nicht um Denunziation, sondern einen Hinweis darauf wo die Werbung erscheint damit die betreffenden Firmen und Organisationen selbst entscheiden können was sie tun.
4) Ich bin SPD-Mitglied.

Nun was ist meiner Meinung nach Breitbart:
Es reicht viel tiefer als tendenziöse Berichte. Breitbart ist ein Werkzeug im "Kulturkampf" zwischen "erz-konservativen" und "liberal-progressiven". Dieser "Kulturkampf" wird in der Regel mit Worten und Überzeugungen geführt. Es gibt vermutlich auch kein faktisches richtig oder falsch bei Diskussionen wie etwa Erlaubnis der Abtreibung oder Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, aber wir können uns doch einig sein, dass solche Diskussionen mit Respekt geführt werden sollen. Die von Breitbart verbreiteten Nachrichten werden aber genutzt um diesen "Kulturkampf" zu vertiefen, Gräben aufzureißen und unter Umständen sogar dazu missbraucht werden einen offenen Konflikt, sogar Kampf, innerhalb der USA zu provozieren. Dahinter steckt schon lange nicht mehr Andrew Breitbart, sondern seit einiger Zeit Stephen Bannon, der jetzt Chefberater von Präsident Trump ist. Es gibt Gerüchte, natürlich nicht viel öffentlich Schriftliches, dass Stephen Bannon "das System zerstören" [Zitat 1] will. Und dann gibt es noch weitere Gerüchte, die erschreckend wären, wenn sie denn stimmen sollten. Aber dies macht verständlich wieso mir Freunde und Bekannte aus den USA sagen, dass es milde gesprochen "sehr depressiv" ist und warum nicht nur Proteste durchgeführt werden, sondern auch mittlerweile ein Generalstreik in Planung ist.

Quelle für Zitat 1 (aus dem Englischen übersetzt): http://www.thedailybeast.com/articles/2016/08/22/steve-bannon-trump-s-top-guy-told-me-he-was-a-leninist.html)

Hier eine Zusammenfasung der Entwicklung bei Breitbart (Englisch):
http://www.forbes.com/sites/ellenkilloran/2016/11/14/steve-bannon-and-breitbart-news-why-everyone-but-the-alt-right-fears-trumps-top-adviser-pick/#db0e2f9504f3

Mehr zu den Gerüchten (Englisch): Trump’s advisers want a new civil war – we must not let them have it
https://www.theguardian.com/commentisfree/2017/feb/06/some-of-trumps-advisers-want-a-new-civil-war-we-must-not-let-them-have-it

Ein paar Schlagzeilen, die vielleicht auf den ersten Blick nichts "kriminelles" enthalten, aber Subtilität hat hier Methode:
"Would you rather your child had feminism or cancer?"
"Gay rights have made us dumber, it's time to get back in the closet"
"The solution to online ‘harassment’ is simple: Women should log off."
"Science proves it: fat-shaming works"
"Why equality and diversity departments should only hire rich, straight white men"
"Birth control makes women unattractive and crazy"
"There's no hiring bias against women in tech, they just suck at interviews"

Und einer der ersten Fälle einer Meldung von Breitbart zu etwas in Deutschland, hier nur die Meldungen aus zwei deutschen Nachrichtenmagazinen (da ich nicht/niemals direkt auf Breitbart verlinken werde)
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/dortmund-polizei-reagiert-auf-breitbart-horrormeldung-zu-silvester-a-1128787.html
http://www.stern.de/politik/deutschland/dortmund--polizei-entlarvt-us-meldung-ueber-horror-silvester-als-fake-news-7270398.html

Mehr Informationen zu den Aktivitäten hinsichtlich der Hinweise auf Werbung bei Breitbart (Englisch):
http://www.independent.co.uk/news/world/americas/breitbart-advertising-activists-campaign-petition-milo-yiannopoulos-a7559441.html

Ich hoffe, dass ich hiermit die Situation etwas erläutern konnte. Es ist mir klar, dass die angeführten Nachrichtenbeiträge natürlich auch immer ein gewisses "Geschmäckle" haben bzw. vielleicht auch eine bestimmte Agenda vorangetrieben werden soll. Aber wenn man diese Gedanken weiterspinnt, dann würde man nur noch an Verschwörungen glauben und paranoid werden.
Um dies für mich selbst zu vereinfachen: Für mich ist der Litmus-Test der Artikel 1 unseres Grundgesetzes und Breitbart besteht diesen nicht und stellt sich für mich sogar als ein Feind unseres Grundgesetzes und der sich daraus ergebenden Ordnung dar.

Mit besten Grüßen,

K. Kessler

Kommentar von schnuff |

clickbait ist was anderes. clickbait liegt vor, wenn titel und/oder thumbnail eines beitrages zu wenig mit dem inhalt zu tun hat.
bsp.: ein video auf youtube hat den titel "saskia esken geht fremd?". das thumbnail zeigt zwei pralle titten. im 10 minütigen video wird dann langatmig "geklärt" ob saskia esken wirklich fremd geht und am ende kommt dann raus, dass es wohl doch nicht so ist. alle die das video schauen sind enttäuscht und wütend, weil sie den köder (engl. bait) geschluckt haben.

Kommentar von Albert Rech |

Sehr geehrte Frau Esken,

schön das die SPD gegen Fake News kämpft. Beschränkt sich das nur auf Boykottforderungen ?
Wenn die Antwort "Nein" lautet möchte ich doch anregen das die SPD die Verantwortlichen aus der Partei ausschließt die mit der Fake News über einen angeblichen "serbischen Hufeisenplan" zur Vertreibung der Kosovo Albaner 1999 den völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien angezettelt haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Albert Rech


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